Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1908)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1908-10-01
- Page
- 569 (sequence 6)
- Language
- German
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Umschau 56r> es freue sich, damit sich in tlebereinstimmuug zu befinden: denn die Spaltung in her christlichen Kirche sei Lief bedauerlich. Geh. Rat Dr. Küster, der Begründer der gegen die antisemitischen Studentenverbindungen gerichteten „Burschenschafttichen Blätter", dem es sicher fern gelegen hat, das Judentum aus der Reihe der religiösen Bekenntnisse auszuscheiden, wird bei dieser Ausdeutung seiner harmlosen Aeußerung seitens der antisemitischen Redaktion der „Deutschen Bolkspost" mit Goethe gedacht haben: „Im Auslagen seid Ihr munter: legt Ihr nicht aus, so legt Ihr unter!" Daß die Agrarier und Antisemiten die von ihnen usurpierte Vormundschaft über die Handwerker und Gewerbetreibenden leichten Kaufs sich entziehen lassen würden, hat Wohl niemand geglaubt. Aber wenn sie diese Bevormundung auch noch längere Zeit erfolgreich ermöglichen werden, im ruhigen Besitz dieser Würde werden sie nicht mehr bleiben, da die gewerblichen Kreise schließlich müde geworden sind, sich am Gängelbande der Agrarier, der Christlich-Sozialen und Deutsch-Sozialen führen zu lassen und für deren politische Erfolge — die Zeche zu bezahlen. Selbst die stockkonservative „Kreuz-Ztg." hat schon von diesem Stimmungswechsel Kenntnis genommen und von der die Deutsch-Sozialen und Christlich-Sozialen im Reichstage zusaMmenfassenden „wirtschaftlichen Vereinigung" gesagt: „Das Vertrauen zu dieser Richtung ist überall im Volke geschwunden; sie hat noch ein paar Kreise aus den ersten Zeiten ihres Emporkommens gerettet, a b e r werbend e Kraft besitzt sie n i ch t m e h r." lieber die Mandatenjagd der Christlich-Sozialen in den konservativen Revieren äußerte sich aber die Kreuz-Ztg.: „Nach den neueren Anzeichen ist Vertrauensseligkeit gegen die Christlich-Sozialen auf keinen Fall angebracht." Diese konservative Absage hat bereits die Betroffenen veranlaßt, Gegenmaßregeln zu ergreifen und ihre Reihen durch Angliederung anderer sogenannter „nationaler" Elemente zu ergänzen. Man hat einen Verband der antisemitischen Vereine Groß-Verlins ins Leben gevufen und durch eine Festlichkeit eingeweiht, bei der behauptet wurde, es hätten sich schon 17 Vereine dem