Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1908)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1908-10-01
- Page
- 566 (sequence 3)
- Language
- German
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566 Im deutschen Reich. Irischen Betrieb zu verschaffen und sich dadurch leistungsfähiger zu machen weiß, dahin, seinen erweiterten Betrieb mit Hilfe verständiger Kapitalisten in ein blühendes Fabrikwesen nmzuwandeln. Der alte Rufer im Streit, Hofxrediger a. D. D. Stoe&ex, der in seiner Kindheit seinen Vater als Schmied hantierem sah, dürste vergessen' haben, warum sein Vater durch den Jnnungszwang so wenig beglückt war, daß er später eine Beamtenstellung der Würde des Jnnungsmeisters vorzog. Nun schwärmt der Sohn des ehemaligen Schmieds für die ehemaligen Zünfte, die, ganz im antisemitischen Sinne, niemanden aufnahmen, der nicht den Taufschein aufweisen konnte, und die Juden grundsätzlich ausgeschlossen, deren Ahnen in Palästina, selbst wenn sie Gelehrtenbildung besaßen, ein Handwerk nebenbei betrieben haben und noch im Mittelalter in vielen Ländern die besten Handwerker waren, bis fanatische Verfolgungen und die vorurteilsvollen Zunftordnungen den jüdischen Handwerksbetrieb unmöglich machten. Davon weiß Herr Hofprediger D. Stoecker nichts; er sagt, das Christentum habe erst das Handwerk zu Ehren gebracht. Er sagt es — „und Brutus ist ein ehrenwerter Mann!" Nun hat er kürzlich in einem „Der Mittelstand" überschriebenen Artikel erklärt, es muß wieder Ordnung werden in dem Gewerbeleben; das kann nur geschehen durch „gwangsf oxg Ovationen“. Stoecker gibt selbst zu, daß es ungemein schwierig sein würde, bei dem Ineinander und Nebeneinander in den verschiedenen Gewerben in den Produktionszweigen eine Gliederung herzustellen. Aber darauf kommt es nicht an; die Kreise des Mittelstandes sind seit Jahrzehnten infolge ihrer Bedrängnisse in unzufriedener Stimmung und deshalb für die antisemitischen Nörgeleien empfänglicher gewesen als die Arbeiter, deren Lage durch eine straffe Organisation und durch das staatliche Entgegenkommen sich wesentlich verbessert hat. Dem bedrängten Mittelstand haben die antisemitischen Führer goldene Berge versprochen, ohne die Möglichkeit zu besitzen, für sie eine wesentliche Besserung zu erreichen, die, selbst wenn sie mit Hilfe anderer politischer Parteien die Gewerbefreiheit vollständig