Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1908)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1908-10-01
- Page
- 565 (sequence 2)
- Language
- German
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Umfdjüu. 565 Daß die Don den antisemitischen Führern den Handwerkern als Rettungsmittel vorgegaukelte Möglichkeit der Rückkehr zum miLLelalterlichen Zunftwesen ein Phantom ist, müßte auch nach den Erfahrungen der lefeteu Jahrzehnte den gebildeten deutschen Handwerkern längst klar geworden sein. Dort, wo der Antisemitismus am Steuerruder sitzt, in der Wiener Stadtverwaltung und im niederösterreichischen Landtage, hat man den Zünftlern alle möglichen Konzessionen gemacht. Den kleinen Gewerbetreibenden hat man aber damit nur Steine statt Brot gereicht; man hat sie verhindert, sich tatkräftig selbst durch Aneignung der neuesten technischen Errungenschaften und durch freiheitlichen Zusammenschluß zu Fachgenossenschaften konkurrenzfähig oder gar ihre Erzeugnisse exportfähig zu machen. Dem Kapitalismus war mit dem Versuch, das mittelalterliche Zunftwesen wieder aufleben zu lassen, nicht beizuk'ommen. Seit der Einführung der Maschinenarbeit verlangt der Konsument immer die billigeren Fabrikerzeugnisse; wenn diese im Inland nicht zu haben sind, bezieht er durch Händler ausländische Erzeugnisse. So konnten z. B. die österreichischen zünftlerischen Anordnungen den zahlreichen ezechischen Schuhmachern nicht dazu verhelfen, für das von ihnen selbstgefertigte Schuhwerk eine hinreichende Anzahl Käufer oder Besteller zu finden; sie müssen ebenso wie ihre Gewerbegenossen in anderen Ländern, um bestehen zu können, mit billiger Fabrikware handeln, weil nur mit dieser . ein nennenswerter Umsatz zu erzielen ist. Der vermeintliche Gew-erbeschutz hindert sie nur, nebenher andere Waren zu führen, die bei dem Ankauf von Schuhwerk häufig gleichzeitig verlangt werden. Aehnlich verhalt es sich in Oesterreich mit den meisten andern Handwerken. Mit Zunftzwang wird man nirgends den Handwerkern Wohlstand verschaffen können, vielmehr entzieht man ihnen nur damit die Hilfskräfte der Gehilfen und Lehrlinge, die lieber als freie Arbeiter 'Beschäftigung in Fabriken suchen, wo sie bei der dort unerläßlichen Arbeitsteilung zwar nie ein ganzes Stück fertigen lernen, aber bei einiger Geschicklichkeit durch irgendeine einzelne maschinelle Arbeit mit geringer Muhe Geld verdienen. Durch die von den Antisemiten beständig verketzerte Gewerbefreiheit bringt es in Deutschland immerhin noch mancher intelligente Handwerker, der sich Gasmotoren: oder einen eiet-