Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1908)
- Article
- Stöckers Januskopf
- Date
- 1908-10-01
- Page
- 555 (sequence 2)
- Language
- German
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Stöckers Januskopf. 555 In einem von ihm Unterzeichneten, „D i e Sozi a l - d e m o! r a t i e u tt b w i t" überschriebenen Artikel, den die „Staatsbürger-Ztg." am 4. August d. Js. veröffentlichte, offenbarte es sich deutlich, daß in der Brust des greisen „Vaters des Antisemitismus" noch immer zwei Seelen leben, daß er, ein zweiter Bileam, wenn er die Entwicklung der Menschheit von einer gewissen Höhe überschaut, Wider Willen, so oft er diesem Fortschritt fluchen möchte, Segensworte sprechen muß, doch selbst dann nur Unheil säet, weil er zuviel gehaßt hat, um echte Menschenliebe hegen und pflegen zu können. So entströmen dem redegewandten Prediger des religiösen Vorurteils in jenem Artikel die in seinem Munde fast unverständlichen Worte: „D i e r e ligiöse Glei ch heit a ller M e nsche n ist einer der grundlege nde n G e - danken des Christentums, die sittliche Gleichheit -a l l e r M e n s ch e n d u r ch die A n e r k e n n u n g d e s bürgerlichen Berufs eine der G e i st e s t a t e u b e r Reso r rn a t i o n, die r e ch t l i ch e Glei ch heital 1 e r Mens ch e n das Erg e lut i s d e r f r a n z ö s i s ch e n R c - voluLion. Mit der politischen Ebenbürtigkeit der Menschen hat diese Bewegung begonnen, in der Gleichheit des Rechts für alle hat sie ihre erste Verkörperung gefunden, und im allgemeinen gleichen direkten Wahlrecht, verbunden mit der Möglichkeit, eine gleiche Bildung zu erringen, hat sie einen neuen Schritt vorwärts getan. Daß nun Menschen, die sich in bezug auf das Wahlrecht völlig, in bezug auf die Bildung vielfach gleich fühlen, das Bestreben haben, auch wirtschaftlich eine h ö h e r e Stufe zu erringen und in ihrer Lebenshaltung den anderen Ständen näher zu kommen, das ist durchaus berechtigt/' Von diesen grundlegenden Wahrheiten aus gelangt der gewaltige Meister der Phrase aber keineswegs zu den logischen Folgerungen, die ihn notwendig zur Verleugnung seiner langjährigen, segenslosen Wirksamkeit führen müßten, sondern dazu, der Sozialdemokratie das Recht streitig zu machen, für arbeiterfreundliche Bestrebungen Anerkennung zu beanspruchen, ganz besonders aber dazu, die Uebermacht des Kapitals als „die große Krankheit der Zeit" darzustellen und die Arbeiter, denen doch nur das Kapital die Segnung reichlicher Arbeitsgelegenheit verschaffen kann, zur Bekämpfung des Kapitals,