Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1908)
- Article
- Stöckers Januskopf
- Date
- 1908-10-01
- Page
- 556 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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556 Jrn deurschen Ke-ch. in dem der Verblendete nur den „Manunonislnns" erkennt, in blindern Fanatismus auszureizen. Während er der Sozialdemokratie vorwirst, sich weniger mit praktischen Reformen als mit Urnstnrzplänen zu beschäftigen, die arbeiterfreundlichen Bestrebungen, wenn sie solche in die Hand nimmt, nur zürn Brecheisen zu machen, um die bestehende Wirtschasrsordnung aus den Angeln zu heben, erklärt er selbst dein wohlerworbenen Eigenturn den Krieg. Er verkündigt wie jene eine neue soziale Welt, von deren Grundlagen er zwar nichts Genaueres sagt, von denen man aber annehmen kann, daß sie weder freiheitlich noch monarchisch, sondern ausschließlich hierarchisch sein würden. Rühmt Stöcker es doch als einen Erfolg, daß man sich auf dem Berliner christlich-nationalen Arbeiterkongreß nicht gescheut habe, bei aller Liebe zu Kaiser und Reich, bei aller Schonung der bestehenden Grundlagen unseres Staatsimh Gesellschastslebens, die schärfste Kritik an unseren Zuständen zu üben. Wenn auch verklausuliert, heißt das doch n'ur die Opposition schitrem und mit der Sozialdemokratie wetteifernd um die Gunst der Arbeiter buhlen. Daß dieses Liebeswerben nicht voll gewürdigt wird, schreibt er mix dem Km st and zu, daß seines Erachtens die heutige Sozialdemokratie mit dem Judentum im Bunde steht, eine Fiktion, die deshalb nicht glaubwürdiger ist, weil sie zu der ständigen Spiegelfechterei der Radauautisemireu gehört und sichtlich auch von dem ehemaligell Hofprediger als eine wirksame Waffe betrachtet wird. Wenig bedenklich in der Wahl der Kampfmittel, entnimint er außerdem dem antisemitischen Arsenal eine andere halbverrostete Wehr zum persönlichen Angriff mit dem Satz: „Wir wundern uns nur, wie ein Mann, der in einem solchen Mäntelgeschäft reich geworden ist, an der Spitze der Berliner Sozialdemokratie stehen und sogar bei den armen verführten Mäntelnäherinnen einen grenzenlosen Aberglauben an seine sozialistische Gesinnung finden kann." Im Munde eines Mannes, der vorgibt, ein Verfechter der religiösen, der sittlichen, der rechtlichen und wirtschaftlichen Gleichheit zu sein, nehmen sich solche Bosheiten gegen einen politischen Gegner merkwürdig aus. Unwillkürlich sagt mcm sich bei: Das ist das wahre Gesicht Stöckers, das andere ist nur eine humane Larve!