Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1908-09-01 · Heft 9 (September 1908) · p. 510

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
14 (1908)
Issue
Heft 9 (September 1908)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1908-09-01
Page
510 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2316602-2316766-2316775--18126-2340538
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

olO Im deutschen Reich. mit die Führer und Angehörigen der Zentrumspartci cinsehen lernen, daß sie, die nicht imstande sind, die antisemitischen Seitensprünge ihrer ParLeipresse zu verhindern, im hohen Grade ungerecht urteilen, wenn sie die Gesamtheit der deutschen Juden für jedes die Katholiken verletzende Wort oder Bild verantwortlich machen, das in einem von einem Juden herausgegebenen, aber von eifrigen Protestanten oder irgend einem konsequenten Dissidenten redigierten Blatt sich findet. Die vornehmsten Katholiken in Preußen haben stets Aufreizungen gegen die jüdischen Mitbürger mißbilligt, diesen nicht nur Gerechtigkeit widerfahren lassen, sondern auch der kleineren jüdischen Bevülkerungsminderheit die „Parität" gegönnt, die sie selbst für die große katholische Minderheit in Preußen beanspruchten und zu erlangen suchten. Zu diesen hochachtbaren Männern gehörte der am 6. Juli d. I. aus dem Leben geschiedene Genercrlfelönrarschall Freiherr r>. £oe, der einer der befähigsten Generale der preußischen Armee war, unter drei Kaisern auch als Staatsmann großes Ansehen genoß und zeitweise sogar als der „kommende Mann"., als der künftige Reichskanzler, betrachtet wurde. Bei der Feier des päpstlichen Regierungsjubiläums hat vor 6 Jahren dieser hochgestellte Offizier in Bonn eine Rede gehalten, in der er sich mit großer Schärfe gegen „den deutschen Erbfehler, die elenden konfessionellen Zänkereien" wandte, zu treuem Zusammenstehen der P r o t e st a n t e n , Katholiken und Israeliten mahnte, und wörtlich hinzufügte: „Ich nenne an dieser Stelle die Israeliten mit Vorbedacht, aber nicht allein als Christ — ich nenne sie auch als Soldat, denn ich finde nun einmal in dem christlichen und dem Soldaten-Katechismus keine Widersprüche. Wenn Seine Majestät der Kaiser sein Volk wieder zu den Fahnen rufen sollte, so weiß ich, daß seine Soldaten ihm alle ohne Unterschied des religiösen Bekenntnisses mit derselben F reu -- d i g k e i t folgen w e r d e n , wie damals die Väter seinem Großvater." Diese Worte haben gerade in unserer Zeit eine aktuelle Bedeutung; sie enthalten eine vernichtende Verurteilung der antisemitischen Großsprecher, die einerseits mit ihren

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.