Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 9 (September 1908)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1908-09-01
- Page
- 509 (sequence 5)
- Language
- German
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Umschau. 509 Wahl der Kameraden anzuvertrauen, zum Scheitern - zu bringen. Sollten kürzlich tatsächlich von maßgebender Stelle ans die Kommandobehörden im Sinne größerer Beachtung der Parität im Heer aufgefordert worden sein, für die das Zentrum als Vertreterin einer ansehnlichen Bevölkerungsminderheit auf den verschiedensten Gebieten des öffentlichen Lebens eingetreten ist, dann dürfte dies weit eher aus den Lrnflrrtz des Zentrums als auf den „der jüdischen Hochfinanz" zurückzuführen sein, wie das in gehässiger Weise seitens der „Augsburger Postzeitung" versucht worden ist. Das erwähnte Blatt gehört zu den Zentrumsblättern, die zwei Seelen in ihrer Brust fühlen, eine ultramontane und eine antisemitische, und die sich deshalb niemals zu der Höhe der politischen Traditionen Windthorsts und Liebers haben aufschwingen rönnen, dem das Zentrum seine jetzige Bedeutung verdankt. So bläst denn das Augsburger Blatt auch bei der jetzigen Paritätsfrage in das Horn der nur bedingungsweise monarchischgesinnten Antisemiten; es schreibt: „Hoffentlich wird das Offizierkorps auch sich rühren!" und begründet diese freundliche Aufforderung mit widersinnigen Sätzen wie: „Wann und wo haben jüdische Blätter die Aufhebung des § 2 des Jesuitengesetzes freudig begrüßt?" „In Oesterreich schützt das Militär kraft der Macht des Judentums die jüdische revolutionäre Studentenschaft bei ihren brutalen Ausschreitungen." „Der jüdische Kriegsminister Ottolenghi hat in Italien Grundsätze bekundet, die der Freimaurerei entstammen, die ja in Italien und auch in Deutschland immer mehr vom Judentum beherrscht werden." Den Gipfel dieser die Dinge auf den Kopf stellenden Behauptungen bildet die folgende Auslassung: „Bor wenigen Wochen konnte man lesen, daß der König von Sachsen seinen Offizieren den Beitritt zur Loge, der ihnen bisher verboten war, erlaubt habe. Dieser bedauerlichen Kabinettsordre in Sachsen ist nun eine weitere in Preußen gefolgt von noch schwererer Tragweite." Die „Augsburger Postzeitung" scheint danach über die Verhältnisse im Königreich Sachsen noch schlechter orientiert zu sein als über die der Freimaurerei. Derartige judenfeindliche Aeußerungen einzelner katholischer Blätter müssen niedriger gehängt werden, da-