Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1908-09-01 · Heft 9 (September 1908) · p. 508

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
14 (1908)
Issue
Heft 9 (September 1908)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1908-09-01
Page
508 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2316602-2316766-2316775--18124-2340536
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

508 Im deutschen Reich handle, sondern daß sogar eine kaiserliche Kabinettsordre ergangen sei, wonach künftig bei den Offizierswahlen ohne Rücksicht auf die Religion des Aspiranten verfahren werden solle. Das antisemitische Blatt knüpfte jedoch an diese Meldung die nachstehende, nicht gerade eine hohe Meinung von der monarchischen Gesinnung und dem Bildungsgrade des Offizierkorps beweisende Bemerkung: „Da auch sie (die Kabinettsordre) aber Wohl kaum imstande ist, den jüdischen Aspiranten die mangelnde Tüchtigkeit einzuimpfen, so bleibt eben alles beim alten. Die Offiziere werden auch hinfort in f r e i e r W a h l über die A u f n a h m e ne u e r K a m e - raden beschließen, und da es neben der Fähigkeit auch noch auf die Würdigkeit ankommt, so wird es schwerlich jemals heißen: m Tag, Kamerad Itzig!" Wir sind überzeugst daß in jedem Falle, in dem eine Kabinettsordre oder auch nur eine ähnliche Willensäußerung des Monarchen erfolgst eine antisemitische Aufreizung zunr passiven TViöerstcrnöe für das Preußische Offizierkorps nur Gegenstand tiefster Verachtung sein kann. Preußische Offiziere sind ebensowenig wie ihr Kriegsherr geneigt, sich von den Antisemiten eine Marschroute vorschreiben zu lassen; sie sind auch nicht so parteipolitisch angehaucht, um etwa, wie dies der „Deutsch-nationale Handlungsgehilfen-Verband" oder die „Mittelstandsvereinigung" zeitweise getan haben, politischen Parteiführern Heeresfolge zu leisten. „Daß d i e O f f i z i e r e in freie r W a h l übe r d i e A u f 11 a h m c n euer K' a m e - raden beschließen", ist übrigens auch nicht ernstlich ein Wunsch der über die kaiserliche Kabinettsordre oder über den. Erlaß empörten Judenfeinde; sie fürchten nichts mehr als die wohl erneut von maßgebender Seite in Betracht gezogene Veränderung, daß die aktiven Offiziere über die Aufnahme neuer Kameraden beschließen sollen; sie möchten vielmehr erzwingen, daß nach wie vor die Wahl in der Hand der Offiziere des Beurlaubtenstandes bleibe. Die Deutsch-Sozialen, die es sich zur Aufgabe machen, alle Unzufriedenen zu sammeln, scheinen anzunehmen, daß in diesem Korps moderne Ideen schwerer Eingang finden als bei den strebsamen aktiven Offizieren und haben nur deshalb bezüglich des Erlasses Lärm geschlagen, um damit eine erneute Anregung des Zentrums, diesen die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.