Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 9 (September 1908)
- Article
- Verkehr mit Rußland
- Date
- 1908-09-01
- Page
- 488 (sequence 6)
- Language
- German
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Im deutschen Reich. 48$ ist, wurden die Juden in Rußland mit großer Gerechtigkeit und Achtung behandelt. Durch Katharina die Große waren die Wolken der Unwissenheit und des Aberglaubens, die Jahrhunderte hindurch über jenem Land lagerten, zerstreut worden. Während ihrer Regierung bildete die Duldung aller Religionen die Grundlage der Reichspolitik. Dann kam die Teilung Polens und Rußland gewann durch seine Teilahme an diesem, geschichtlichen Verbrechen eine ungeheuere jüdische Bevölkerung. Zuerst und noch manche Jahre nachher wurden die Juden gut behandelt. Eine kluge und wohltätige innere Politik begünstigte die Verschmelzung der Juden mit dem russischen Reich. Es wurden jüdische landwirtschaftliche Ansiedelungen begründet. Die Hebräer wurden zum Besuche der Universitäten veranlaßt, weil dies als eines der besten Mittel angesehen wurde, die Ausschließung der Juden zu tilgen. Man lud fremde Juden von gutem Rufe ein, sich in Rußland niederzulassen und dort Grundbesitz zu kaufen und zu pachten. Bis zum Jahre 1860 — fast 80 Jahre hindurch — und besonders unter den aufgeklärten Herrschern, Nikolaus I. und Alexander dem Befreier, waren die Juden in Rußland eine begünstigte Bevölkerung. In diesen Tagen des Freisinns und der Duldung ist der Vertrag von 1832 mit den Bereinigten Staaten abgeschlossen worden. Wo ist nun eine Begründung für die Behauptung der heutigen Bureaukraten, daß ihnen das Recht übertragen worden sei, mittels dieses Vertrages eine ganze Klasse amerikanischer Bürger zu peinigen, zu demütigen und zurückzuweisen, Bürger, deren ganzes Verbrechen in ihren Augen ein gewissenhaftes Festhalten an der Religion der Hebräer ist? I n e i n e m solchen A r g u m e n t i st k e i n H a li ch v o n V e r n u n f t, kein A t o m von W a h r heit und Gerechtigkeit zu finden. Hätte im Jahre. 1832 irgend ein amerikanischer Staatsmann gewagt, für diesen Vertrag in der bewußten Annahme einzutreten, daß er durch ihn einer fremden Regierung den erwünschten Vorwand für eine religiöse Inquisition und Unterschiedsmacherei unter unfern Bürgern liefere, er würde von dem Hohn seiner Zeitgenossen aus dem öffentlichen Leben hinweggeschwemmt worden sein. Ein so undemokratisches, so unrepublikanisches, so unamerikanisches, ein derartig unseren Regierungsgrundsätzen widersprechendes Verhalten hätte ihn vor der gesamten Nation entehrt.