Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1908)
- Article
- Jüdische Apologetik im neutestamentlichen Zeitalter [Rezension]
- Date
- 1908-07-01
- Page
- 470 (sequence 2)
- Language
- German
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470 Im deutschen Reich. Ferner mußte der Einfluß des Heidentums bekämpft werden, das außer dem polytheistischen Denken auch eine Verrohung der Sitten herbeiführen konnte. Auf die Minderwertigkeit der heidnischen Religion wird oftmals hingewiesen, die Schwäche der Götter zuweilen verspottet. Der Besuch von Theater und Zirkus wurde verboten, weil, abgesehen von den damit verbundenen gottesdienstlichen Veranstaltungen, eine der jüdisch-ethischen Lebensanschauung entgegenstehende Grausamkeit sich dort zeigte, die jeden edel Denkenden abstoßen mußte. Von größter Bedeutung war der Kamps gegen das entstehende Christentum, das die Verwerfung der Juden verkündete und sich als das wahre Israel betrachtete. In der Hauptsache handelte es sich für die Juden darum, die Messianität und noch mehr die Gottheit Jesu abzulehnen und gegen die Aufhebung des Gesetzes zu polemisieren. Während noch ein bekannter Mischnalehrer mit Judenchristen trotz ihres Messiasglaubens verkehrt hatte, wurde zurzeit Trajans im Lehrhause empfohlen, den Umgang mit ihnen zu meiden; die christliche Propaganda durch- Dämonenbeschwörung und Krankenheilung wurde bekämpft, und man schleuderte die Vorwürfe der Angeberei und Heuchelei gegeneinander. Nicht unwichtig war auch der Kampf gegen den Gnostizismus, dessen theosophische und kosmologische Spekulationen Eingang in das jüdische Lehrhaus gefunden hatten. Den Betrachtungen über den Thronwagen Gottes, das Weltall und das Weltende gaben sich ursprünglich auch jüdische Gesetzeslehrer hin. Da aber die Gnosis in ihren hellenistischen Elementen Lehren enthielt, die gegen das Judentum gerichtet waren, so mußte es zu einer Abweisung und Widerlegung derselben von jüdischer Seite kommen. Zugleich wurde auf die Schädlichkeit gnostischer Spekulationen hingewiesen. Das Judentum hatte seinen geistigen Besitzstand gegen diese verschiedenen Mächte energisch zu verteidigen. Die B i b e l mußte geschützt werden gegen die auslösende Allegorie der Alexandriner, gegen die scharfe Kritik der heidnischen Philosophen, gegen die Fälschungen und Zusätze christlicher Apologeten, sowie gegen die Gnostiker, die sogar die biblische Ethik angriffen.