Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1908)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1908-07-01
- Page
- 442 (sequence 13)
- Language
- German
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442 Im deutschen Reich. Kandidat ist der erwähnte Gutsbesitzer Ritter-Steglitz, der nationalliberale Oberpfarrer Altmann-Schönlanke; für das Zentrum ist der Schriftsteller Erzberger-Berlin, für die Polen Redakteur v. Lebinski-Posen und für die Sozialdemokraten Maurer Schul-Posen aufgestellt. Daß sich Bruhn ernstlich an die Juden wendet, ist nicht anzunehmen; denn er wußte, als eine Synode sein jetziges Blatt verurteilte, keine bessere Ausrede als die Behauptung, die Synode stünde unter dem Einflüsse einzelner getaufter Juden. In der Kreissynode Berlin-Kölln-Stadt hat nämlich am 29. Mai Pastor Riemer einige Ueberschristen der von dem Abg. Wilhelm Bruhn herausgegebenen Wochenschrift „Die Wahrheit' verlesen und sich entrüstet über den Inhalt der in diesen Artikeln gebotenen Kost geäußert. Gegen seinen Antrag, daß die Synode die Presse ersuchen solle, bei ihren Veröffentlichungen alles zu vermeiden, was die sittliche Gesundung des Volkslebens gefährden könne, wandte sich darauf der Synodale Rektor Faltz mit der Erklärung, man erweise der Zeitschrift, die eben genannt worden sei, viel zu viel Ehre; in einer Synodalversammlung besprochen zu werden, gebe nur eine Reklame für solche Blätter ab. Ein solcher Antrag würde auf die schlechten Zeitungen keinen Eindruck machen; die großen politischen Blätter hätten mit diesem Treiben nichts zu tun. Gegen solche Auswüchse lasse sich in einer Millionenstadt nichts tun. Schließlich wurde eine von dem Synodalen Burghard vorgeschlagene Resolution angenommen, die sich im allgemeinen gegen solche Auswüchse richtete. Man sollte meinen, daß danach die politische Rolle Wilhelm Bruhns zu Ende wäre, zumal ihm selbst im Lager der antisemitischen Reformer kränkendes Mißtrauen bezeugt wurde und die sonannte „Mittelstandspartei", als deren Wortführer er umherreist, bei den Landtagswahlen nur einen Kandidaten, Rahardt, mit Hilfe der Konservativen durchbringen konnte. Auch die Unterstützung des Führers der sächsischen Reformer, Oswald Zimmermann, wird Bruhn auf die Tauer nicht halten können, da Zimmermann zwar im sächsischen Landtage noch immer antisemitische Anregungen vorbringt, aber auf keinen großen Anhang mehr rechnen kann. Als Zimmermann in der