Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1908)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1908-07-01
- Page
- 441 (sequence 12)
- Language
- German
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Umschau. 441 das Verdienst zu, daß sich bei der letzten Landtagswahl weder in dem Kreise Hersseld noch sonstwo das jämmerliche Schauspiel von der Reichstagswahl wiederholt hat, daß einzelne kurzsichtige Juden die Wahl von Leuten wie Ahlwardt, Böckler, Schack, Werner u. a. m. förderten, nur weil der Gegenkandidat kein Freisinniger, sondern ein Konservativer, ein Pole oder ein Sozialdemokrat war. Ter ehemalige Herausgeber der „Staatsbürger Zeitung" Wilhelm B r u h n, der vor und nach der Ermordung des Gymnasiasten Winter in Könitz die Gemüter in geradezu fanatischer Weise wider die Juden entflammte, hat sich neuerdings aus Anlaß der Rerchstagsevsatzwahl in Czarnrkau-Frlehne-Lkolnrar öffentlich damit gebrüstet, daß bei seiner letzten Wahl der freisinnige Gegenkandidat nur 56 Stimmen erhalten habe, seine Kandidatur also auch von den Juden unterstützt worden sein müsse. Der Mittelstandsbund, den er vertrete, treibe gar keine antisemitische Politik. Ter Mittelstandsbund wolle gar nicht, daß die in Deutschland wohnenden Juden entrechtet oder wirtschaftlich benachteiligt werden sollten. Er sei nur gegen eine weitere Einwanderung russischer Juden nach Deutschland. Wie das „Schneidemühler Tageblatt" berichtet, stellte Bruhn in einer Versammlung in Schneidemühl entschieden in Abrede, daß der Mittelstandsbund durch seine antisemitische Agitation Unzufriedenheit in die Stadtvertretungen trage. Es wäre traurig, wenn die obigen Behauptungen irgendwie begründet wären; die Juden in dem Wahlkreise Czarnikau-Filehne-Kolmar können unmöglich vergessen haben, welches Unheil dieser Hauptagitator des Radau-Antisemitismus über die westpreußischen Juden gebracht hat und daß er ihnen jetzt in dem Ziegeleibesitzer H o f f m a n n - Schneidemühl einen Kandidaten empfiehlt, dessen Bruder, der Fleischermeister Gustav H offmann mit dazu beigetragen hat, die Juden der Mitschuld an dem Tode Winters zu verdächtigen. In Filehne ist Bruhn aus einer konservativen Versammlung ausgewiesen worden, und in Schönlanke soll der konservative Kandidat Ritter die antisemitische Agitation als eine schmutzige bezeichnet haben. Uebrigens fehlt es dem Kreise nicht an anderen Kandidaten. Der konservative