Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1908)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1908-07-01
- Page
- 443 (sequence 14)
- Language
- German
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Umschau. 443 sächsischen Zweiten Kammer am 30. Mai sich über den hohen Prozentsatz der Ausländer in der Handelshochschule zu Leipzig äußerte und eine Erhöhung der Studiengelder für Ausländer befürwortete, entgegnete ihm der Minister. Graf Hohenthal kurz und trocken, man könne die Handelshochschulen nicht mit einer chinesischen Mauer umgeben, die W i s s e n s ch a f t sei international! Dieser Meinung sind die Antisemiten kaum, die nur für die Verbreitung des Judenhasses die Internationalität als berechtigt erachten; insbesondere erwiesen sich bisher die Christlich-Sozialen,, die mit Hilfe der Klerikalen in Oesterreich den Antisemitismus seit geraumer Zeit regierungsfähig gemacht haben und ihn nun auch mittelst eines beständigen Festjubels auch hoffähig machenmöchten, als konsequente Gegner der Träger der Wissenschaft. Da dem Klerus die Lehrtätigkeit des Professors Wahrmund in Innsbruck bedenklich schien und das Unterrichtsministerium zunächst Bedenken trug, die Freiheit der Wissenschaft auf den Hochschulen einzuschränken, haben christlich-soziale Führer die strenggläubigen Tiroler Bauern gegen die freiheitlich-gesinnten Studenten derart mobil gemacht, daß sie sich nach beständigen Reibereien zur Proklamierung eines Studentenstreiks entschlossen. Tie meisten Rektoren der österreichischen Hochschulen stellten sich auf die Seite der Studenten und mißbilligten den Ministerialerlaß, durch den die Einstellung der Vorträge Wahrmunds verfügt wurde. Ties sollte nach der Behauptung einiger christlich-sozialen Abgeordneten den greisen Kaiser Franz Joseph veranlaßt haben, in einem Gespräch mit dem Unterrichtsminister Dr. March et über den Studentenstreik zu sagen: „Machen Sie doch endlich diesem Skandal ein Ende. Ihre Rektoren sind auch eine nette Gesellschaft." Ta aber nachträglich erklärt wurde, daß die immerhin eine Mißbilligung enthaltende Aeußerung des Kaisers nicht ganz so gelautet habe, haben die österreichischen Rektoren sich damit begnügt, von dem Unterrichtsminister eine authentische Mitteilung zu erbitten, von weiteren Schritten aber abzusehen. Durch die Ernennung Wahrmunds zum ordentlichen Professor in Prag hat dann der österreichische Unterrichtsminister Dr. March et Tel auf die