Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1908)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1908-07-01
- Page
- 440 (sequence 11)
- Language
- German
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440 Im deutschen Reich. tagswahlagitation niemals in den Sinn kommen. In erster Linie war unsere Tätigkeit bei den Wahlen daraus gerichtet, es dahin zu bringen, daß kein radikaler Antisemit ein Mandat erlange. Das ist erreicht: die Antisemiten Werner und ßattmann und der Stöcker- Busenfreund, Pastor v. Bodelschwingh, haben diesmal keine Mandate erlangt. Der oft als „Kronprinz Stöckers" bezeichnete christlich-soziale Redakteur der „Staatsbürger- Zeitung", Lie. M u m irr, ist auch tut Wahlkampf unterlegen, und wenn sich die Stöckerblätter mit der Wiederwahl eines Mitgliedes der „Wirtschaftlichen Vereinigung" trösten, so ist zu bemerken, daß Amtsgerichtsrat Kö ll e zwar der Wirtschaftlichen Vereinigung angehört, aber weder der Deutschsozialen noch der Christlich-sozialen Fraktion sich bisher angeschlossen hat. D i e V e r d r ä n g u n g d e r au s g e s p r o chen e n An t i s e m i t e n war uns die Hauptsache; wo die Gefahr antisemitischen Erfolges vorlag, haben wir einen aussichtsvollen Gegenkandidaten nach Kräften zu fördern gesucht, g leich viel welcher Partei er zuzurechnen war, wenn sich nur von ihm erwarten ließ, daß er keine Entrechtung der Juden billigen werde. Dagegen lag es uns fern, von ihm ein besonderes judenfreundliches Programm zu fordern und dadurch den Erfolg seiner Kandidatur fraglich zu machen: Im Gegenteil haben wir an verschiedenen Orten, und zwar durchweg mit erfreulichem Erfolge, die jüdischen Wähler dringend vorder Unterstützung solcher Parlamentarier gewarnt, die sich bisher offen zum Antisemitismus bekannten, während der Wahlzeit aber das antisemitische Programm in die Tasche steckten und die jüdischen Wähler damit zu ködern suchten, daß sie sich als weit judenfreundlicher hinstellten als die konservativen Landräte, oder manche nationalliberalen Industriellen, Freisinnige oder Sozialdemokraten. Unsere Glaubensgenossen im Kreise Hersfeld haben sich dabei besonders wacker gehalten; sie ließen sich nicht von den glatten Worten eines Antisemiten täuschen und haben, so weit es in ihren Kräften stand, wesentlich dazu beigetragen, dem Wahlkreise einen Vertreter von der Qualität des Antisemiten Werner zu ersparen. Wir schreiben uns