Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1908)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1908-07-01
- Page
- 439 (sequence 10)
- Language
- German
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Umschau. 439 das Landtagswahlrecht weit eher als das Reichstagswahlrecht die Möglichkeit eröffne, in das Parlament einzutreten. So wenig judenfreundlich dieser Artikel war, ließ er doch deutlich erkennen, daß das mehr und sich als anarchistisch erweisende Treiben der radikalen Antisemiten die Konservativen veranlaßt, den Erfolg einzelner jüdischer Kandidaturen den Erfolgen einer wüsten antisemitischen Mandatenjagd bei weitem vorznziehen. Die Zahl der diesmal gewählten xreuHrschen Abgeordneten jüdischen Glaubens steht gegen die des vorigen Landtages nicht zurück. In Berlin und Umgegend wurden Geh. Justizrat Cassel, Di'. G e r s ch e l und Leo p old Ros e n o w , im Kreise Fraustad t- Lissa Justizrat Ed. Wolf, im Kreise Wirsitz-Bromberg Kommerzienrat A r o n s o h n , im Kreise Mogilno-Wongrowitz Landgerichtsrat Peltasohn, in Altona Rechtsanwalt D. Wald stein gewählt, dessen Wahl wir mit besonderer Freude begrüßen, da er als eifriger Förderer unserer Interessen seit Jahren wirkt. Ter bisherige Abg. Münsterberg ist bedauerlicherweise nicht wiedergewählt worden; der von der Antisemitenpresse den jüdischen Abgeordneten zugezählte Dr. Lippmcinn gehört dem Judentum nicht mehr an. Unter den neugewählten Sozialdemokraten befinden sich aber zwei Glaubensgenossen, Hirsch und Heimann. Nach diesen Wahlen wird es bei den Wahlen mit den gegebenen Verhältnissen und auch künftig bei Besprechung solcher Fragen, die speziell jüdische Interessen berühren, nicht an Männern fehlen, die mit Wärme nnd Sachkenntnis im Parlament Unrichtiges widerlegen und Gehässiges bekämpfen werden. Daß sich selbst dann kein jüdisches Zentrum bilden ließe, wenn auf einmal eine größere Zahl von Mandaten den Juden zusiele, ist sicher nicht zu beklagen; die Parlamentarier jüdischen Glaubens sind sich erfreulicherweise dessen bewußt, daß sie nicht als Juden, sondern als preußische Staatsbürger gewählt sind; sie werden deshalb aber ihres jüdischen Glaubens nie vergessen, wenn iin Parlament die Ehre oder die Rechte ihrer Glaubensgenossen angetastet werden. — Eine aktive- Judenpolitik zu treiben, wie uns in der Zionistischen Zeitschrift „Tie Welt" zugemutet worden ist, konnte uns bei unserm Eingreifen in die Land-