Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1908)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1908-07-01
- Page
- 438 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2316602-2316766-2316774--18006-2340384- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
438 Jrn deutschen Reich. Liberaler übermäßige Hoffnungen gesetzt hat, ist nicht dazu angetan, diese Hoffnungen zu zerstören und irgendwie entmutigend zu wirken. Tie Konservativen haben ihren Besitzstand um 8, die Polen um' 2, die Freisinnige Volkspartei um 4, das Zentrum um 9 Mandate erhöht, dagegen hat sich die Zahl der Mandate der Freikonservativen, der Nationalliberalen und der Freisinnigen Bereinigung etwas verringert. Tie 4 Abgeordneten, die sich keiner Fraktion anschließen wollen, (Kölle, Lodsch, Schubert und Diedrich Hahn) werden Hospitanten der freikonservativen oder der nationalliberalen Partei. Den Sozialdemokraten ist es gelungen, trotz der Dreiklassenwahl ihren Einzug in das Abgeordnetenhaus mit 7 Mandaten zu halten. Für unsere Sache ist es mit großer Freude zu begrüßen, daß^es dem Antisemiten Ulrich nicht gelungen ist, den 12. Berliner Wahlkreis zu erobern, obwohl dort unbegreiflicherweise sogar die Nationalliberalen für ihn eingetreten sind. Wenn im Kreise Kassel-Witzen h a u s e n an Stelle des deutsch-sozialen Amtsgerichtsrats Lattmann der Konservative v. Stockhausen, im Kreise Herss e l d - R o t e n b u r g an Stelle des Antisemiten Werner der Landrat Türke gewählt wurde, haben wir das Verschwinden dieser beiden ausgesprochenen Antisemiten mit Genugtuung zu verzeichnen. (Siehe auch „Korrespondenzen".) Ter Erfolg der nationalliberalen Kandidatur im Wahlkreise Lattmanns war nicht zu erzielen. Die Konservativen rechneten bei den Wahlen mit den gegebenen Verhältnissen und haben deshalb z. B. im Kreise Flensburg dem Kandidaten der freisinnigen Volkspartei, Or. Tuns, zu einem Mandat verhelfen, weil sie durch ein Kompromiß günstige Zusicherungen für die künftigen Reichstagswahlen erlangten. Daß die Konservativen an vielen Orten vollständig von den Antisemiten abrückten, beweist, daß die mit diesen unsicheren Kantonisten von ihnen gemachten Erfahrungen doch nicht ungenützt geblieben sind. In der Mainummer der „Mitteilungen des Konservativen Vereins für die Provinz Brandenburg" wurde bereits sehr scharf gegen die „antisemitisch-demokratische" Wühlerei geeifert, außerdem in einem „Das Judentum und die £anötagswahl" überschriebenen Artikel den Juden nahegelegt, daß ihnen gerade