Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1908)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1908-07-01
- Page
- 437 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2316602-2316766-2316774--18005-2340383- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Umschau. 437 „Volk und Schule Kreutzens vor 100 Jahren und heute", in dem er auf das Reformwerk des Jahres 1808 verwies und u. a. sagte: „Steins politische Ideen trafen mit den Erziehungsideen Pestalozzis zusammen. Dieser Zusammenhang spricht sich am deutlichsten aus darin, daß er neben seinen Forderungen auf dem Verwaltungsgebiet eine Reform der Erziehung forderte. Das alte Preußen mit seinen alten Ideen wurde 1808 niedergeschlagen. Allerdings läßt es auch heute noch manches zu wünschen übrig. Selbst einem Bosse war es nicht möglich, das Shstem der Vorschule zu beseitigen, trotzdem er für die allgemeine Volksschule eintrat. Freilich, der Widerstand gegen die allgemeine Volksschule in Preußen ist begreiflich, solange sie einem so reaktionären Regime untersteht, wie es heute der Fall ist. Bei uns ist die Trennung nach den Ständen nicht nur in der Schule durchgesührt, sondern bereits auch auf den Spielplätzen und in den Schwimmanstalten. In den letzten hundert Jahren ist nicht nur die soziale, sondern auch die konfessionelle Zerklüftung im Volke größer geworden. Es herrschen hier geradezu entgegengesetzte Zustände wie vor hundert Jahren. Damals wirkten die Konfessionen in der Schule zusammen. In dieser Hinsicht ist Rückschritt auf Rückschritt erfolgt. Wie schwer das aus unserem Volksschulwesen lastet, wissen alle. Wir dürfen aber den Kamps nicht ausgeben, wenn auch eine Schlacht verloren geht. Wir müssen ringen um die sachliche Aussicht, die freiere Gestaltung des Religionsunterrichts und um eine mehr wissenschaftliche und damit freiere Lehrervorbildung. Preußen geht in diesen Dingen in Deutschland uud in der Welt nicht voran, sondern so ziemlich hintenan. Aber marschieren tun wir dochund zuletzt wird doch der Sieg unser sein! Dafür bürgt uns di e L o g i k d e r W e l t g e s ch i ch t e. Die geistige Zwingherrschaft einer oder weniger Konfessionen kann sich nicht mehr lange behaupten; das ist eine innere Unmöglichkeit." In den weitesten Kreisen macht sich glücklicherweise eine ähnliche Ueberzeugung geltend, und der Ausfall öer xreutzifchen Lanötagswahlen, auf den wohl bei dem Fortbestehen der Dreiklassenwahl kein