Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1908)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1908-07-01
- Page
- 436 (sequence 7)
- Language
- German
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436 Im deutschen Reich. für die Edelleute vom Schlage des adligen Mitarbeiters des Antisemiten Th. Fritsch nur ein Kampf mit Windmühlenflügeln; denn die wenigen Judensprößlinge, die zu Hofe gezogen werden, stehen dem Parteitreuen meistens fern und üben nicht den geringsten 'Einfluß auf die staatlichen Verhältnisse in Preußen aus, mit denen der Adel wirklich sehr zufrieden sein könnte. Diese Verhältnisse schilderte am 20. Mai in einer Berliner freisinnigen Wählerversammlung Rektor Kaehler wie folgt: „Wir sind durch Bismarck, der, wie es ihm paßte, einen Stand gegen den anderen, Parteien und Konfessionen gegeneinander a u s spielte, in eine Jnteressenpolitik Hineingetrieben worden. Das nächste Interesse sollte jedem das Staatswohl und das Wohl der Gemeinde sein, dann erst sollten die Interessen der einzelnen Berufsstände und das eigene folgen. Unser Eisenacher Programm gibt uns dafür Anhaltspunkte. Zur politischen Freiheit gehört auch die Gleichheit vor dem Gesetz. Wie weit aber sind wir noch von d e m Satze der Verfassung „Jeder Preuße ist vor dem Gesetze gleich" entfernt! Wie ferner zieht man einen Teil der Bevölkerung dem anderen vor. Die Bevorzugung des Adels ist unerhört. Ein einziger Oberpräsident ist bürgerlicher Herkunft, 286 adlige Landräte haben wir in Preußen und keinen jüdischen Offizier finden wir im Heere. Eine größere Wahlbeteiligung als sonst ist erforderlich, um hier Besserung zu schaffen. Die Regierung trägt in dieser Hinsicht nicht die Schuld an der Bedeutungslosigkeit des Liberalismus. Fürst Bülow, der ja sonst ein konzilianter Herr ist, würde sich ganz anders gegenüber den Freisinnigen benommen haben, wenn sie eine rechnerisch stärkere Partei wären. Wenn wir' erst in drei- oder vierfacher Zahl, was ich erhoffe, anrücken, dann würde Bülow auf unsere Anträge andere Antworten geben. Wir fordern in unserem Programm Gleichheit aller Stände und Konfessionen und auch ein freies Vereins- und Versammlungsrecht. Das letztere haben wir erhalten und es birgt so viele Vorteile, daß wir das, was uns nicht gefällt, mit in den Kauf nehmen. Hätten wir das Gesetz allein gemacht, so sähe es anders aus/' Bei dem deutschen Lehrertage in Dortmund hielt am 6. Juni der Marburger Universitätsprofessor Dr. Natorp einen Festvortrag über