Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1908)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1908-07-01
- Page
- 433 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2316602-2316766-2316774--18001-2340379- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Umschau. 433 offenbar in den leitenden Kreisen empfunden, die sich darüber nicht täuschen, daß der Staat nur von uneigennützigen, anspruchslosen und opferfreudigen Bürgern Nutzen haben kann, nicht aber von solchen, die ihre stets wachsenden Ansprüche in der Hauptsache nur durch ihre Abstammung begründen. So wie aber der leiseste Versuch gemacht wird, den Verdienstadel dem Geburtsadel gleichzustellen oder gar den Geldadel in die Nähe des Thrones gelangen zu lassen, zetern die Angehörigen der bisher bevorzugten Kreise nicht nur, daß das Vaterland in Gefahr sei, sondern verleugnen sofort ihr vorher mit unendlicher Emphase betontes königstreues Programm und kündigen dem Monarchen die Freundschaft. Die antisemitischen Sancho Pansas, die für ihre, einzelnen Ton Quichottes geleisteten Dienste den Lohn stets vom Staate verlangen, schimpfen chann über die „Juden", obgleich diese, so lange sie ihren Glauben nicht verleugnen, in dem sogenannten „christlichen Staat" bevorzugte Stellen kaum erhalten können, und dieses gemeinsame Lamento bildet das Finale der antisemitischen „Hönigstveue“. Der Text zu diesem traurigen Opus wurde in der von dem Verfasser des „Antisemitischen Katechismus", Th. Fritsch, verlegten Zeitschrift „Hammer", unter dem Titel „Die Freunde der Könige" veröffentlicht. Dieser die Unterschrift v. R. tragende Artikel, der von anderen Antisemitenblättern u. a. der „Deutschen Hochwacht" des Hans v. Mosch und der „Deutschen Reform" Oswald Zimmermanns, vollinhaltlich abgedruckt worden ist, beginnt mit der Bekundung tiefsten Jammers darüber, daß bei einer von der Berliner Hofgesellschaft veranstalteten Wohltätigkeitsvorstellung, neben den Gräfinnen Metternich und Looz-Corswarem, der Prinzessin Sayn-Wittgenstein auch eine Auswahl semitischer Frauen mitgewirkt haben. Der rabiateste Demokrat müsse zugeben, daß Fürstenstolz oder gar „junkerliche Uebung", oder das Bewußtsein der Ueberlegenheit unseres Stammes — kurz alle diese Eigentümlichkeiten früherer Generationen in Hofkreisen geschwunden feien. Herr v. R. sagt dann in „geschmackvoller" Weise weiter: „Wir können uns durchaus nicht vorstellen, welche Ruhmestat deutscher Geschichte .oder welche große. Zeit der preußischen Entwicklung sich dem