Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1908)
- Article
- Das russische Problem
- Date
- 1908-07-01
- Page
- 427 (sequence 6)
- Language
- German
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Das russische Problem. 427 ariniCH und in ihrer Konkurrenz auseinander drückenden Juden anhält, ist man vor Zwischenfällen, wie wir sie jetzt schaudernd miterleben, nicht sicher. Wir können und müssen die Einwanderermassen über größere Gebiete verteilen und für eine Abflutung des Ueberschusses aus den Großstädten sorgen. Diese mehr regulierende, überwachende und behutsam korrigierende Tätigkeit muß aber auch mit aller Energie, mit Zusammenfassung aller Kräfte und Konzentrierung aller moralischen und materiellen Mittel geübt werden. Vergessen wir nicht, daß wir so für Millionen eine glückliche Zukunft bauen und der jüdischen Geschichte neue Wege weisen können. So warten der großen jüdischen Bereinigungen Ausgaben von fast unbezwinglichem Umfange. Schier scheint es unmöglich, dem Strom noch Weg und Ziel zu weisen. Und doch müssen die vereinten Kräfte aller hier einsetzen, um der drängenden Flut Herr zu werden und gefährliche Stauungen in Zukunft zu verhüten. Daß hier der „Jewish Colonisation Association" die führende Rolle zukommt, ergibt ein Blick auf die materiellen und moralischen Machtmittel, die sie in ihrer Hand vereinigt. Aber auch der in kurzer Zeit zu so schöner Blüte gelangte „Hilfsverein der deutschen Juden" im Einverständnis mit der von Zangwill geleiteten „Jewish Territorial Organisation" darf keinen Augenblick die „amerikanische Frage" aus den Augen lassen. Diese amerikanische Einwanderung stellt jetzt den Kern der ganzen Judensrage dar, und sie möglichst schnell und zum Segen der ganzen Judenheit zu lösen, ist eine der vornehmsten Forderungen der Gegenwart. Nicht etwa in dem .Sinne, daß es in der Macht der jüdischen Hilfsvereine läge, die aller Maße spottende Bewegung zu hemmen oder gar zu unterdrücken. So elementare Naturgewalten können von keiner Menschenhand eingedämmt werden. An Versuchen hierzu hat es nicht gefehlt, aber alle Korrektionsversuche waren vergeblich. In Westeuropa ging man hierbei von der Meinung aus, daß das Chaos drüben durch ein plötzliches: „Es werde Licht!" augenblicklich besiegt und von den Elementen der Ordnung und Gesetzlichkeit abgelöst werden würde. Seitdem man aber eingesehen hat, daß diese