Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1908-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1908) · p. 426

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
14 (1908)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1908)
Article
Das russische Problem
Date
1908-07-01
Page
426 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2316602-2316766-2316774-2340278--17993-2340372
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

426 Im deutschen Reich. und Im engsten ^Zusammenhang damit der Volksüberschuß verringern, der sich jetzt auf etwa 50 000 stellen dürfte. Bei einer Auswanderung von 150 000 bedeutet das eine jährliche Abnahme von 100 000 Juden, was in 20 Jahren bereits einen Zahlenrückgang von 2 Millionen für Rußland darstellt. Rußland würde mit seinen alsdann drei Millionen Juden unter einer vermehrten Bevölkerung von 200 Millionen seine Rolle als Judenland xar excellence ausgespielt haben. Der jüdische Anteil an der Gesamtbevölkerung wird dann statt der 4,13 Prozent nur noch IpZ Prozent betragen, ein Bruchteil, der bei einigem guten Willen mit Leichtigkeit dem Gesamtkörper des russischen Volkes einverleibt werden kann. Aber auch eine wesentlich erhöhte Auswanderungszifser ist nicht unwahrscheinlich. Sollte eine günstige Konjunktur und die Aufmunterung der neuen Ansiedler die Emigrationslust noch begünstigen, so kann man ruhig eine jährliche Auswanderung von 200 000 annehmen, eine Zahl, die ja vereinzelt schon überschritten worden ist. Unter solchen Voraussetzungen genügte ein Zeitraum von 20 Jahren, um die Juden in Rußland auf 2 Millionen zu reduzieren. Daß eine derartige Entwicklung durchaus im Bereiche des Wahrscheinlichen liegt, mag daraus erhellen, daß in den letzten 25 Jahren, also noch nicht unter dem Druck der Pogrome zwei Millionen Juden das Land verlassen haben. Was für Pflichten und Aufgaben erwachsen dabei den westeuropäischen und amerikanischen Juden? Im großen und ganzen gilt es nur, den Strom der Europamüden zu leiten und ihn in die richtige Bahnen zu lenken. Tie „Jewish Territorial Organisation^hat mit praktischem Blick die Schwäche des bisherigen Systems oder, besser gesagt, der bisherigen Shstemlosigkeit erkannt. - Man muß den in wilder Hast alle Dämme überschwemmenden Strom teilen und für jeden Arm ein neues Bett graben. Es ist viel versäumt worden. Wenn man in vorausschauender Politik diese Richtlinien vor zwei Jahrzehnten ausgestellt hätte, die jetzige Krise hätte diesen Umfang, der durch die Zusammenpferchung von 1 Million Juden in 3 Städten verursacht wurde,? .niemals annehmen können. Solange .die furchtbare Ueberfüllung New-Aorks, Chicagos und Philadelphias mit ver-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.