Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1908)
- Article
- Das russische Problem
- Date
- 1908-07-01
- Page
- 425 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Das russische Problem. 425 Und in dem eben verflossenen Jahre waren es wohl immer noch 150 000, denn außer den 115 000, die über New-Aork in den amerikanischen Kontinent eindrangen, nahmen sicher auch noch viele den Weg über Galveston und andere Eingangspforten. Dazu kommen noch die Emigrationsländer Argentinien, Kanada, Südafrika, Palästina und in Europa auch noch England, Gebiete, die 30 000 Juden ausgenommen haben mögen. Der Horizont in Rußland ist dauernd mit schwarzen Wolken verhängt: in Odessa, Kiew, Warschau, Lodz stehen die Pogrome auf der Tagesordnung. Bei so haarsträubenden Zuständen, den Treib- und Hetzjagden, denen dreiviertel Millionen Juden allein in diesen Großstädten wehrlos ausgesetzt sind, wird die Auswanderung in den nächsten Jahren aller Voraussicht nach noch stark zunehmen. Ja, wenn die Kurzsichtigkeit und die Barbarei, die Rußlands Wohlstand unheilbare Wunden schlagen, und den Juden das Leben zur Hölle machen, nur noch 20 Jahre in bisheriger Weise im Lande wüten, so wird die Judensrage ohne weiteres Eingreifen des Westens von selbst gelöst sein. Eine kurze Betrachtung der zahlenmäßigen Unterlagen soll dies klar veranschaulichen. Rach der Volkszählung von 1897 hatte Rußland rund 51/4 Millionen Juden. Schon damals wurde der jährliche Volkszuwachs durch die starke Auswanderung dem Lande wieder entzogen, was zur Folge hatte, daß die Bevölkerung sich unverändert aus dem Status von 1897 hielt. In den letzten drei Jahren dürfte dieser Stand infolge des gewaltigen Anschwellens des Auswandererstromes ins Schwanken gekommen sein. Während der natürliche Ueberschuß durch Geburten in diesen 3 Jahren höchstens 200 000 betrug, verließen das Land in fluchtartigem Auszuge etwa 500 000 Juden, woraus sich ergibt, daß die gegenwärtige jüdische Bevölkerung weniger als fünf Millionen zählt. Es gehört keine Prophetengabe dazu, vorauszusageu, daß die Auswanderungsbewegung — die Fortdauer des jetzigen Systems vorausgesetzt — sich mindestens aus der diesjährigen Höhe behaupten, ja bei steigender wirtschaftlicher Tendenz Amerikas in starkem Maße zunehmen wird. Unter Erwägung der Tatsache, daß das jüngere Element unter den Flüchtlingen bei weitem überwiegt, muß sich auch die Zähl der Geburten