Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1908)
- Article
- Der Kindesraub von Bologna vor 50 Jahren
- Date
- 1908-07-01
- Page
- 419 (sequence 9)
- Language
- German
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Der Kindesraub von Bologna vor 50 Jahren. 419 fassung teilhaftig zu werden, so z. B. Modena, und wie in Sardinien selbst, so wurde auch in diesen Provinzen sofort das Gesetz über die Gleichstellung aller Katholiken und Nichtkatholiken, also auch der jüdischen Bürger, in Anwendung gebracht. Alle bisher vorhandenen Einschränkungen und besonderen Abgaben und Steuern, die auf den dortigen Israeliten und Evangelischen so schwer lasteten, wurden unverzüglich. aufgehoben. Der Stadtrat von Modena wählte zwei Israeliten zu seinen Mitgliedern, und auch andere städtische nnb staatliche Aemter wurden mit befähigten Beamten israelitischer Konfession besetzt. Die Gerichte des nicht mehr unter der Herrschaft des Krummstabes stehenden Italiens verurteilten alle ungesetzlichen und gewalttätigen Akte der Seelenfängerei aufs schärfste. So verurteilten die Gerichte von Modena am 2. Januar 1859 eine Christin zu 6 Monaten Gefängnis und zu 50 Scudi Strafe, weil sie ein israelitisches Kind heimlich getauft hatte. Von nun an genossen die Juden alle politischen Rechte mit ihren christlichen Mitbürgern. Die Israeliten zeigten sich aber auch dieser ihrer Emanzipation nicht unwürdig. Sämtliche jüdische Freiwillige, die bereits die Feldzüge in den verflossenen Monaten mitgemacht hatten, ließen sich in den neu gebildeten Regimentern von neuem anwerben. Auch meldeten sich zahlreiche neue israelitische Freiwillige, besonders als die Israeliten sich davon überzeugten, daß die sardinische Regierung keine Glaubensunterschiede kannte, sondern auch militärisch befähigte Juden zu Offizieren ernannte. Groß waren auch die Summen, die die sardinischen Juden für staatliche Zwecke opferten, und der König Viktor Emanuel sprach es offen aus, daß er stolz darauf sei, über so patriotische und opferfreudige Untertanen, wie die Juden, regieren zu dürfen. Der arme Vater Edgardo Mortaras, der, wie erwähnt, zuerst in Paris lebte, siedelte später nach seinem Vaterlande Italien über und ließ sich in Florenz nieder. Durch das große Aufsehen, das einst die Mortara-Affäre im Jahre 1858 in der ganzen Welt hervorgerufen hatte, bildete die Familie Mortara den Gegenstand des Hasses und der Verfolgung seitens der Ultramontanen. Ein Pröbchen dieses Fanatismus