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Im deutschen Reich · 1908-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1908) · p. 418

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
14 (1908)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1908)
Article
Der Kindesraub von Bologna vor 50 Jahren
Date
1908-07-01
Page
418 (sequence 8)
Language
German
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418 Im deutschen Reich. des Vaterlandes von ihren Füßen und wunderten nach Frankreich aus, stets die stille Hoffnung im Herzen nährend, daß es ihnen auf irgend eine Weise noch einmal gelingen werde, das Opfer der pfäffischen Vergewaltigung aus den Händen seiner Räuber zu befreien. Auch der Sturz der weltlichen Herrschaft des Papstes erfüllte die Hoffnung aller Freiheits- und Fortschrittsfreunde, daß nunmehr die Befreiuugsstunde für den jungen Edgard Mortara schlagen werde, nicht. Die Mächte verspürten so wenig Interesse, die Sache aufs neue aufzurütteln, daß auch jetzt nichts im Interesse Mortaras unternommen wurde. Ja, die kirchliche Gewalt hatte sogar die Dreistigkeit, etwa ein Jahr nach dem Raube des Knaben ihn mit großer Feierlichkeit zu konfirmieren. Unter Konfirmation verstand man natürlich in Rom nicht das, was man bei den Juden und in der protestantischen Kirche darunter versteht, sondern die Ablegung des feierlichen Gelöbnisses, daß er für immer der katholischen Kirche an gehören und von seinen Eltern nichts wissen wolle. Tie „Augsburger Allgemeine Zeitung", damals das führende Blatt Deutschlands, nannte eine solche Herausforderung der öffentlichen Meinung Europas eine Frechheit, bezeichnete die Konfirmation als einen verbrecherischen Akt und prophezeite mit dem Psalmisten, daß sich wohl bald das Wort erfüllen werde: „Doch er kommt, er kommt zu richten die Erde, zu richten die Völker in seiner Wahrheit." Jedenfalls konnte es allen Freunden der Gewissensfreiheit zur größten Genugtuung gereichen, daß die provisorische Regierung des Kirchenstaates sofort die Inquisition aufhob und die Wiederholung ähnlicher Gewalttaten, wie die gegen Edgard Mortara begangene, unmöglich gemacht wurde. Alle liberalen Blätter Englands und Frankreichs legten es dem neuen Regenten Mittel-Italiens warm ans Herz, alle derartigen Fälle zu veröffentlichen und zu brandmarken, um auf diese Weise der Sache der religiösen Duldung einen großen Dienst zu leisten. Groß war die Begeisterung in Italien, daß Sardinien, dieser Hort der Gewissens- und Glaubensfreiheit, dem Kirchenstaat den Garaus machte. Sobald die österreichischen Truppen abgezogen waren, schlossen sich auch andere Provinzen an Sardinien an, um so der Wohltat einer freiheitlichen Ver-

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