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Im deutschen Reich · 1908-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1908) · p. 413

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
14 (1908)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1908)
Article
Der Kindesraub von Bologna vor 50 Jahren
Date
1908-07-01
Page
413 (sequence 3)
Language
German
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Der Kindesraub von Bologna vor 50 Jahren. 413 werden würde, die den Raub des Knaben mißbilligen und aussprechen werde, daß das Kind wieder in die Arme seiner Eltern zurückgebracht werden müßte. Aber bald sollten die Optimisten eines Besseren belehrt und davon überzeugt werden, daß der Widerstand des Vatikans infolge des dort herrschenden zelotischen Geistes durch eine liberale Strömung in keiner Weise gebrochen werden und daß nur eine Drohung durch bewaffnete Macht etwas ausrichten könnte. Bei der Zaghaftigkeit jedoch, die die europäischen Kabinette in ihrer Stellung zu Rom kennzeichnete, war ein so entschiedenes Vorgehen in keiner Weise zu erwarten. Immerhin versuchten die toleranten und aufgeklärten Elemente alles mögliche, um dem gebeugten Recht und der mißhandelten Gewissensfreiheit Genugtuung zu verschaffen. Die Londoner israelitischen Gemeinden setzten unter dem Vorsitz des großen Philanthropen Sir Moses Montefiore einen aus 8 Mitgliedern bestehenden Ausschuß nieder, damit dieser die nötigen Schritte unternehme, um der schwer gebeugten Familie Mortara wieder zu ihrem Recht zu verhelfen. Dieser Ausschuß setzte sich mit den Zentralkonsistorien von Holland und Frankreich ins Einvernehmen und forderte zugleich die englische Presse zur Teilnahme an ihren Bemühungen in dem Sinne auf, die traurige Angelegenheit der englischen Regierung ans Herz zu legen und im Notfälle eine Deputation an den Papst abzusenden. Die französischen Israeliten nahmen sich nicht minder der Verfolgten an. Durch ihr Zentralkonsistorium richteten sie an den Kaiser Napoleon III. eine Adresse, worin er gebeten wurde, zugunsten der Opfer des römischen Fanatismus einzuschreiten. Die liberale Presse in aller Herren Länder verurteilte aufs schärfste das schmachvolle Gebühren der gewaltsamen Proselytenmacher. Der Londoner „Manchester Guardian" z. B. machte den Vorschlag, daß die Juden auch ihrerseits sich revanchieren -sollten, indem sie künftig keine christlichen Tienstleute hielten, damit sie nicht aufs neue zu Schaden kämen, d. h. sich der Gefahr aussetzten, daß ihre Kinder hinter ihrem Rücken getauft und ihnen gewaltsam entrissen würden. Auch der arme Vater des so schändlich geraubten Knaben wandte sich in Eingaben und Denkschriften an die päpstlichen Behörden, indem er die Ungesetzlichkeit der auf Befehl des

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