Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1908)
- Article
- Der Humanist Reichlin als Verteidiger des jüdischen Schrifttums
- Date
- 1908-07-01
- Page
- 408 (sequence 6)
- Language
- German
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408 Im deutschen Reich. Das Originelle dieser Satire besteht darin, daß die obscuri viri sich selbst in ganz naiver Weise in ihrer Unwissenheit, Dummheit und Gemeinheit bloßstellen. Es ist sehr schwierig, wenn nicht gar unmöglich, durch eine Uebersetzung dem deutschen Leser das volle Verständnis dieser epistolae zu erschließen, denn der Hauptreiz derselben besteht in dem barbarischen Mönchslatein, in dem sie abgesaßt sind. Wie rasch sie beim Publikum Eingang fanden, ergibt sich aus der Tatsache, daß sie im Jahre 1516 drei Auflagen erlebten; eine zweite Serie erschien 1517 und erlebte ebenfalls drei Auflagen. Wer der oder vielmehr die Verfasser waren, läßt sich nicht mit Gewißheit feststellen; vermutet wird, daß am ersten Teil hauptsächlich Crotus Rubianus (d. h. zu deutsch Johannes Jäger von Dornheim) und am zweiten Teil besonders Ulrich von Hutten mitgearbeitet habe. Letzterer war auch sonst für Reuchlin tätig. Er ist der Verfasser, des unter dem Pseudonym Eleutherus Byzenus erschienenen ..Triumphe cloctoris Reuchlini“, worin er nach Art eines antiken Triumphzuges den feierlichen Einzug Reuchlins in seine Vaterstadt Pforzheim schildert; Reuchlins Gegner und die Ungetüme, die er bekämpft hat, der Aberglaube, die Barbarei, die Unwissenheit und der Neid werden gefesselt im Triumphzuge einhergesührt. Das über 1000 Hexameter zählende Gedicht beginnt mit dem Verse: Dicat Jo, si se novit Germania, dicat „Jauchze, sofern du dich selber erkennst, o jauchze, mein Deutschland." und schließt mit dem Verse: Dicit Jo, quia se novit Germania, dicit Es jauchzet, weil es sich selber erkennt, es jauchzet mein Deutschland. Wie warm Ulrich von Hutten Reuchlin verehrte und mit welch aufrichtiger Hingebung er für die Reuchlin'sche Sache eintrat, zeigt sich deutlich in einem von Bologna aus unterm 13. Januar 1517 an diesen gerichteten lateinisch abgefaßten Brief. Er schreibt: „Bei deinem Leben und wenn uns beiden etwas noch teurer ist, bitte ich dich, gib keinen trüben Ahnungen Raum. Was will das sagen: „wenn ich bald sterben sollte?" Laß dir deine eigne Tugend darauf antworten.Wer so gelebt hat, stirbt nicht. Und was.du deinen Jahren noch