Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1908)
- Article
- Der Humanist Reichlin als Verteidiger des jüdischen Schrifttums
- Date
- 1908-07-01
- Page
- 405 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2316602-2316766-2316774-2340276--17969-2340351- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Der Humanist Reuchlin als Verteidiger des jüdischen Schrifttums. 405 ratschlag der juden bücher betreffend, auf bevelch kaiserlicher Majestät gemacht, habe gehandelt anders denn ein cristenlicher, frummer, erbar bidermann, der selb lügt als ein unglaubhaftiger, leichtfertiger, erloser bößwicht, des erbeut ich mich zu eeren und recht fürzukommen". Und zum Schluß ruft er dem Arnold von Tungern zu: „Tungarius Arnoldus calumniator falsarius per omnia secula seculorum“, „Arnold von Tungern, Verleumder, Fälscher in alle Ewigkeit." Daß Reuchlin mit den Kölnern scharf ins Gericht ging, können wir nur billigen; auch das können wir nicht tadeln, daß er ihnen sagt, sie seien keine Theologen, sondern Theologisten, die sich statt mit der Erforschung der Wahrheit mit leeren Wortstreitigkeiten abgeben, die statt nach sittlicher Reinheit Zu streben, sich mit Verbrechen und Schändlichkeiten aller Art befleckten; aber das müssen wir bedauern, daß ein Mann von der Bildung Reuchlins sich zu Schimpfwörtern Hinreißen ließ; dabei glaubte er noch, mit den Kölnern zu sanft verfahren zu sein, wie sich aus seinen Worten ergibt: „Manche werden mich tadeln, daß ich zu sanft mit jenen Leuten verfahren bin, diesen verspreche ich aber, die Streiche, welche die Kölner jetzt nicht empfangen haben, für den zweiten Backen aufzusparen, wenn sie ferner gegen mich wüten werden." Die Freunde Reuchlins waren, wenn sie auch sachlich den Standpunkt desselben teilten, doch mit der Art feiner Verteidigung aus verschiedenen Gründen nicht einverstanden. Erasmus urteilte von der Höhe seines Gelehrtentums herab, daß der Streit mit Leuten wie Pfefferkorn und sein Anhang wenig Erfolg und noch weniger Ehre verspreche. Pirkheimer, dem Nürnberger Senator, erschien es mißlich, den Namen eines Pfefferkorn durch seine Bekämpfung zu verewigen. Und Mutian, der Domherr von Gotha, tadelte Reuchlin, weil er der Kirche falsche oder willkürliche Schriftenauslegungen vorgeworfen hatte. Die Tatsache gab er zwar zu, aber er meinte, das dürfe man nur in eingeweihten Kreisen sagen, aber nicht öffentlich bekannt geben. „In keinem Wege jedoch dürfen wir Geheimnisse ausplaudern, oder die Meinung der Menge erschüttern, ohne die weder der Kaiser, das Reich, noch der Papst, die Kirche, noch wir das Unsere in die Länge behaupten könnten, sondern alles in das alte