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Im deutschen Reich · 1908-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1908) · p. 401

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
14 (1908)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1908)
Article
Der getaufte Jude
Date
1908-07-01
Page
401 (sequence 7)
Language
German
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Der getaufte Jude. 401 fährlicher sind die anderen, die ihre Zugehörigkeit zum neuen Glauben dadurch beweisen und enger zu knüpfen versuchen, daß sie jüdischen Umgang nach Möglichkeit meiden und ihrem Haß und ihrer Verachtung gegen alles Jüdische bei jeder nur sich bietenden Gelegenheit unverhohlen Ausdruck verleihen.! Ein herrliches Bild, und doch ein sehr begreifliches! Ter getaufte Jude muß Antisemit sein aus Gründen der Selbst- '■ erhaltung! Der jüdische Antisemit, so abstoßend er auch für Juden und Christen ist, tritt durchaus nicht so selten: auf, wie man meinen möchte, und er gehört zu den feststehenden Faktoren, mit denen wir Juden rechnen müssen. Jede Nummer der jüdischen Zeitungen bringt uns Kunde von solchen Antisemiten jüdischer Abkunft und ihren Ausschreitungen, die lächerlich und doch so bitter ernst sind. Das Gefährliche gerade dieser Kategorie besteht darin, daß sie es ist, bei der wir oft das Recht suchen müssen, der wir in der Schule unsere Kinder ausliefern, der wir beim Militär unsere Söhne unterstellen müssen. Unser, der Juden, Vertrauen zu dem als Christen geborenen Richter, dem christlichen Lehrer an Gymnasium und Hochschule, dem christlichen Offizier ist unbegrenzt. Wir sind der festen Ueberzeugung, daß selbst diejenigen unter ihnen, denen antisemitische Anwandlungen nicht fremd sind, sich trotzdem in der Regel auch dem Juden gegenüber von strenger, alt-preußischer Gerechtigkeit leiten lassen, ebenso wie der Christ bekanntlich demjüdischen Richter, dem jüdischen Notar und dem jüdischen Oberlehrer ein unbedingtes Vertrauen entgegenbringt, das nie getäuscht worden ist noch getäuscht werden kann von einenk überzeugten Mitglied einer.Glaubensgemeinschaft, der die Begriffe Frömmigkeit und Gerechtigkeit völlig identisch sind. Nochmals sei hervorgehoben, daß es uns fern liegt, den getauften Richter, Lehrer oder Offizier der bewußten Rechtsbeugung oder Ungerechtigkeit zu zeihen; aber wer weiß nicht, mit welchem Unbehagen ein Jude seine gute Sache von einem getauften Richter entscheiden läßt, welchen versteckten und offenen Gehässigkeiten wir in der Schule, im Heere und sonst von Getauften tagtäglich ausgesetzt sind!! Da gilt es jedes einzelnen beamteten Ueberläufers Wirken genau aus Ungerechtigkeit und Haß' gegen Juden zu überwachen und .Uebergriffe stets zu verfolgen. Wenn wir uns nicht, wie jetzt so oft, vor dem

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