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Im deutschen Reich · 1908-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1908) · p. 400

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
14 (1908)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1908)
Article
Der getaufte Jude
Date
1908-07-01
Page
400 (sequence 6)
Language
German
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400 Im deutschen Reich. jüdischen Kreise zu bleiben und zu verkehren pflegt. Das Gefühl der Zugehörigkeit zu dem alten Milieu, der Behaglichkeit im Kreise derer, unter denen man ausgewachsen ist, wäscht kein Taufwasser ab, und dieses Verharren bei den Glaubensgenossen tritt noch stärker auf, seit die Wirkungen der schon erwähnten neueren Tendenz sich geltend machen und die christliche Gesellschaft auch die ehemaligen Juden ausschließt. Schon die Gefahren eines solchen Umgangs müßten uns Juden veranlassen, uns ebenfalls von jenen schroff zurückzuziehen. Welche Verwirrung aller sittlichen Begriffe und alles Religiösen muß einreißen, wenn wir selber mit Renegaten verkehren, wenn wir gar zulassen, daß unsere Kinder einen solchen Umgang pflegen! Was sollen unsere Söhne denken, wenn sie sehen, wie getauften Freunden Schwierigkeiten im Leben erspart bleiben, die ihnen begegnen, und wenn nicht zugleich das Betragen jener als feige und gewissenlos gebrandmarkt wird? Wollen wir sie schon in frühester Jugend mit dem Geist materialistischen Strebertums erfüllen? Wenn wir aber andrerseits unsere Kinder mit dem Gedanken erfüllen, daß es eine Schande ist, von seiner Religion abzufallen, dürfen wir erst recht keinen Verkehr mit Leuten zulassen, deren Charakterlosigkeit wir betonen! Das ist das erste Mittel der Selbstwehr, das uns gegeben ist! Der Jude löse jede gesellschaftliche Beziehung zu einem Ueberläufer; er gestatte vor . allem seinem Kindenicht,sich demfrivolen,religions- und prinzipienlosen Einfluß des Ab gefallenen und seiner Kinder auszu setzen! Könnten wir die Selbstachtung des Juden soweit steigern, daß er allgemein zu diesem gebotenen Abwehrmittel greift, so würden die Getauften schließlich von beiden Seiten herausgedrängt werden und auf die eigene Gesellschaft angewiesen sein, in der sie sich auf' die Dauer kaum wohl fühlen dürften. Einen großen Teil der Schwankenden aber, die mit dem Christentum liebäugeln, gelänge es durch dieses Bild abzuschrecken und schließlich doch noch zu selbstbewußten Glaubensgenossen zu erziehen. Sofern man bei Renegaten überhaupt von Harmlosigkeit sprechen darf, stellt die eben beschriebene Klasse entschieden den harmloseren Teil der ehemaligen Juden dar. Weit ge-

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