Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1908)
- Article
- Der getaufte Jude
- Date
- 1908-07-01
- Page
- 402 (sequence 8)
- Language
- German
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402 Im deutschen Reich. grenzenlosen Hochmut der Abgefallenen beugten und aus falscher, unangebrachter Schonung ihre Beleidigungen häufig ruhig einsteckten, sondern ihnen frei und offen ihren schmählichen Uebertritt und seine Motive vorhielten, würden wir uns vielen Dank verdienen. Vor allem würden wir auch unsere christlichen Mitbürger, denen ihr Glaube ein inneres Gut der Seele und ein Heiligtum, nicht aber wie bei dem neuen Zuwachs ein Geschästsobjekt ist, noch viel allgemeiner mit der Verurteilung des Uebertritts erfüllen, die heute leider, nur in einem sehr kleinen, wenn auch ständig wachsenden Kreise zu finden ist. Die Befürchtung, die man äußern könnte, daß ein etwas aktiveres Vorgehen von unserer Seite geeignet wäre, den Spalt zwischen uns und unseren christlichen Mitbürgern zu vergrößern, ist völlig hinfällig. Im Gegenteil! Wären die überzeugten Mitglieder aller Religionen gleich einig in der Verachtung des Abtrünnigen, so würde diese Art von Mitbürgern sehr bald überhaupt von der Bildfläche verschwinden und mit ihnen die bedauerlichen zersetzenden Einwirkungien auf die allgemeine Volksmoral. Die Christen würden sich dann daran gewöhnen, nicht mehr die Eigenschaften der Abtrünnigen — die spezifischen Zeichen minderwertiger Charaktere — als die des Judentums anzusehen, und eine derartige Klärung würde dazu beitragen, die Beziehungen zwischen Juden und Christen harmonisch zu gestalten. Machen wir also reinen Tisch, gehen wir — natürlich innerhalb der Grenzen der Gesetze und des gesellschaftlichen Anstandes — so deutlich wie möglich gegen Abfall und Abgefalleue vor! Dann nützen wir uns, indem wir viele Gleichgiltige und Schwankende zurückhalten und zur Einsicht bringen, nützen unseren christlichen Brüdern, indem wir sie vor unaufrichtigem, egoistischem Zuwachs bewahren, und nützen vor allem den allgemeinen Moralbegriffen der Menschheit, die der heutige Zustand, die Belohnung von Gewissenlosigkeit und Materialismus bei Ueberläufern, in eine äußerst bedenkliche Verwirrung gebracht hat.