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Im deutschen Reich · 1908-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1908) · p. 399

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
14 (1908)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1908)
Article
Der getaufte Jude
Date
1908-07-01
Page
399 (sequence 5)
Language
German
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Der getaufte Jude. 399 bei, nimmt sie doch oft den Uebergetretenen mit ausgebreiteten Armen auf, wenn sich auch heute in Deutschland und stärker noch in Oesterreich eine Richtung zeigt, die den getauften Juden gesellschaftlich ebenso ausschließt wie der glaubenstreuen. Zwar geschieht dies nicht aus seinem, ethischem Empfinden, sondern nur darum, weil diese Schicht der Uebertäuser trotzdem jüdisch geblieben ist; aber kümmern wir uns nicht um die Motive, sondern halten wir uns an das Ergebnis, wenn wir uns im Kampfe gegen Taufe und Getaufte nicht auf fremde Hilfe verlassen wollen; beschreiten wir, wie in unserem Auftreten gegen den Antisemitismus, den Weg der Selbsthilfe. Der einen Klasse der Getauften können wir auf dem Gebiete des gesellschaftlichen Verkehrs entgegentreten. Es wird unter uns Juden gewiß keine noch so kleine Minorität geben, die sich aus Prinzip gegen einen Verkehr mit Andersgläubigen auflehnt. Ein solcher wird im Gegenteil im Interesse der Annäherung und des gegenseitigen Verstehens allen erwünscht sein. Daß sich in der Praxis heutzutage die Sache ganz anders darstellt, ist allerdings ebenso bedauerlich wie bekannt. Denn einem selbstbewußten, aufrechten Juden wird sein natürliches Ehrgefühl es nicht gestatten, sich an einen Kreis heranzudrängen, der von ihm nichts wissen will, und für jeden denkenden Menschen ist es klar, daß ein „christlicher Verkehr" um den Preis der Selbstentwürdigung und der Verachtung von Christen und Juden zu teuer erkauft ist. Es wäre ganz falsch, in bezug auf den gesellschaftlichen Umgang dieselben Grundsätze anwenden zu wollen, wie in dem Kampf um die Durchsetzung der gesetzlich gewährleisteten Rechte, und ihn etwa erzwingen zu wollen. Denn seinen Verkehr darf sich ein jeder suchen, wo es ihm behagt, und einen Rechtsanspruch hat keiner darauf, in einen bestimmten privaten Gesellschaftskreis eingelassen zu werden. Das sollte nun im Verkehr mit getauften, ehemaligen Glaubensgenossen wohl beachtet werden. Einer der wichtigsten Gründe, der so viele dem Taufbecken zutreibt, ist der Wunsch, in die Sphären einer Gesellschaftsschicht zu gelangen, die sich dem Juden aus Unkenntnis, aus Tradition oder aus bösem Willen verschließt. Trotzdem kann man aber sehr häufig die Erfahrung machen, daß der Uebergetretene in seinem alten

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