Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1908)
- Article
- Der getaufte Jude
- Date
- 1908-07-01
- Page
- 398 (sequence 4)
- Language
- German
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398 Im deutschen Reich. der Beibringung des Taufscheins abhängig macht. Ein herrliches Kulturbild! Der Staat erachtet einen Menschen erst dann als reis zur Bekleidung vieler mit Autorität verknüpften Stellungen, zur Uebernahme des Amtes eines ordentlichen Professors, eines Richters, eines Offiziers, wenn er bewiesen hat, daß er ein minderwertiger Charakter ist, der sich nicht scheut, das Odium der Gesinnungslosigkeit und des Materialismus, auf sich zu nehmen. Da klagen die Antisemiten und selbst Leute, die sonst nicht in die Kategorie jener zu rechnen sind, über die zersetzende Wirkung frivoler, jüdischer Anschauung. Hat dies nicht eine gewisse Berechtigung? Freilich ist es ein Unsinn sondergleichen, davon zu reden, daß wir glaubenstreuen Juden einen solchen Einfluß besitzen und ausüben. Ist doch die Möglichkeit dazu schon wegen der ganz geringen Anzahl von Juden, die in Verwaltung oder Lehramt an leitender Stelle stehen, ganz ausgeschlossen. Aber welchen Einfluß erwartet man denn von Leuten, die die Anhänger ihrer Religion im Stich lassen und die der neuen betrügen, die mit den heiligsten Besitztümern von Christen und Juden ein gotteslästerliches, frivoles Spiel treiben! Wie anders sollen sie wirken als zersetzend und unmoralisch! Was kann die Welt denn eigentlich, anderes von einem getauften Beamten, Richter oder Lehrer erwarten, als daß er sich destruktiv und schädlich betätigt, die ,Autorität des Rechtes und der Sittlichkeit, die sich auf Gottesfurcht gründet, untergräbt! Fern sei es, etwa behaupten zu wollen, daß sie es bewußt tun, aber es liegt nahe, daß ein Mensch nicht in dem einen Moment skrupellos, egoistisch und höhnisch die Gesetze der Sittlichkeit verlachen und im nächsten Augenblick selbstlos, gerecht und ehrlich den alt-preußischen und alt-jüdischen Anschauungen gemäß sein Amt führen kann. Dieser frivol zersetzende Einfluß der Getauften wird uns in die Schuhe geschoben und als jüdisch verschrieen! Er hat aber mit Religion nichts zu tun, ist weder jüdisch noch christlich, sondern nur der natürliche Ausfluß einer jeden rücksichtslos egoistischen und unehrlichen Gesinnung! Kirche und Staat helfen uns Juden also nicht im Kampfe gegen die Taufplage, hat doch letzterer nicht einmal den guten Willen dazu. Auch die christliche Gesellschaft steht uns kaum