Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1908)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1908-06-01
- Page
- 360 (sequence 14)
- Language
- German
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360 öeurjchen rttercy. zu weisen, hat die Oesterreich-Israelitische Union am lo. April in Wien eine Protestversammlung veranstaltet, in der eine Resolution vorgeschlagen wurde, die darauf verweist, daß jener Beschluß des Budgetausschusses in flagrantem Widerspruch zu dem Gesetze vom 21. Dezember 18(37 stehe und eine Aufforderung zum Berfassungsbrüche bedeute. Der Schluß der einstimmig angenommenen Resolution lautet wörtlich: „Wir erblicken in dem Umstande, daß die Regierung n i ch t s ch o n v o r der Ab st i mm un g im Budgetauss ch u s s e die V e r f a s s u n g s w i d r i g k e i t der beantragten R e s o l u t i o n mit aller Be st im m theit ge - ken n z e i ch net und deren A n n a h m e z u v e r h i n - dern gesucht hat, eine offenbare Vernachlässigung ihrer beschworenen Pflichten und fordern dieselbe auf, diese ihre Pflichten bei der Plenarberatung zu erfüllen." Bei der Beratung des Rekrutengesetzes hielt der Abg. Or. Straucher im österreichischen Parlament eine geharnischte Rede über militärische Verhältnisse und betonte dabei, daß sich seit der Amtswirksamkeit des Generaloberstabsarztes Or. v. Uriel das militürürztliche Leben zu seinem Nachteile verändert habe, weil er bei den Anstellungen eine konfessionelle Auslese mache und die Purisizierung des militürärztlichen Offizierkorps von den jüdischen Aerzten betreibe, unbekümmert darum, daß die Folgen dieses Systems schädliche sind und einen Aerztemangel bedeuten würde. Bon 1901 bis 1906 sei kein Jude aktiver Militärarzt geworden! Der Redner schloß mit den Worten: „Wir haben nur die Tribüne hier in diesem Volkshause, wo wir unsere Wünsche und unsere Klagen, unsere Beschwerden und unsere Forderungen Vorbringen können, und wir erwarten, daß jene Parteien, deren Programm Recht und Gerechtigkeit ist, uns zu dem gebührenden Rechte verhelfen werden." Diese Aeußerung Strauchers trifft auch auf die Verhältnisse der Juden in anderen Ländern zu. Die österreichischen Minister würden bei dem mächtigen Einflüsse, den die christlichsoziale Partei aus die Regierung auszuüben vermag, aller Wahrscheinlichkeit nach sich dem antisemitischen Terrorismus gegenüber noch nachgiebiger zeigen, wenn sie es nicht peinlich empfänden, von freimütigen Rednern ihr Gebühren gekennzeichnet zu--hören. In