Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1908)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1908-06-01
- Page
- 359 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2316602-2316766-2316773--17858-2340212- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Umschau. 359 in die Handlungsgehilfenbewegung hin ein gebracht worden. In dieser von annähernd 1000 Delegierten beschickten Generalversammlung des Leipziger Verbandes sind übrigens dem Vorstande dieses Verbandes wegen seiner überstürzten Verhandlungen mit dem antisemitischen Verbände gehörig die Leviten gelesen worden. So sagte z. B. H ü b n e r - B e r l i n: „Wenn die Deutsch-nationalen plötzlich glauben, daß das einzige Heil der Handlungsgehilfen in einem Verbände liegt, so mögen sie zunächst den Judenparagraphen streichen, der sie hindert, alle Handlungsgehilfen bei sich zu organisieren." Witsch au aus Königsberg meinte: „Wir haben Verpflichtungen gegenüber unseren jüdischen Mitgliedern; wir wollen sie uns gern erhalten. Die Selbstachtung muß uns verbieten, den Deutsch-nationalen die Bruderhand zu reichen, nachdem sie uns zehn Jahre hindurch mit Schmutz beworfen haben." Sachs-Breslau erklärt: „Ich fürchte ja nicht, daß ich nach Abschluß dieser Interessengemeinschaft gleich einen Freifahrtsschein nach Palästina bekommen werde. Aber aus Liebe zum Verband möchte ich doch davor warnen, daß wir uns zu tief mit den Deutsch-nationalen einlassen, die nichts tun als Giftpflanzen züchten." Auch die Vertreter der süddeutschen Abteilungen des Verbandes erklärten sich gegen jede Fusion. Der deutsch-nationale Handlungsgehilfen-Verband habe mit seiner unglaublich skrupellosen Hetze und seiner Agitation die Gelder der Mitgliedschaften so stark in Anspruch genommen, daß unter diesen das Bedürfnis nach Frieden allgemein geworden sei. Deshalb strebe er eine Verständigung an. Schließlich einigte man sich über folgende Resolution: „Tie Generalversammlung billigt den Versuch einer sozialpolitischen Verständigung mit dem Deutsch-nationalen Verbände und hofft, daß andere Verbände sich dem anschließen werden." Damit sind die Fusionsbestrebungen ins Wasser gefallen. In Oesterreich wehren sich die Staatsbürger jüdischen Glaubens mit rühmenswerter Einmütigkeit gegen jeden antisemitischen Vorstoß gegen die Rechtsgleichheit. Der Budgetausschuß des österreichischen Abgeordnetenhauses hatte die Regierung ersucht, den Zutritt den Juden zu den Militärschulen zu beschränken. Um diesen Eingriff in die staatsbürgerlichen Rechte der Jrlden zurück-