Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1908)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1908-06-01
- Page
- 356 (sequence 10)
- Language
- German
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Im deutschen Reich. 3 5» 6 lich Ijirtrcicljcn, die Konservativen zu überzeugen, w i e s e h r s i e s i ch d u r ch i h r e e n g e V e r b i n d u n g m t1 d e n T e u t s ch - Sozialen kompromittieren! Die geplante (Entfernung bes L^eine-DenLnrals aus dem Achilleion gewährt zwar den Myrmidonen Liebermanns große Befriedigung, weil sie darin einen Erfolg ihrer seit Jahren konsequent fortgesetzten Begeiferung des ihnen doch nur wegen seiner jüdischen Abstammung verhaßten toten Lyrikers erblicken möchten, söhnt sie aber doch nicht vollständig mit dem Monarchen aus, von dessen Borgehen in der neu aufgerollten Denkmalsfrage sie doch wohl ahnen, daß es auf ganz andere als auf antisemitische Beweggründe zurückzusühren sei. Ein einzelnes Antisemitenblatt, die „Neue Bayrische Landeszeitung", stimmt übrigens dem Triumphgeheul der übrigen Antisemitenpresse über die Denkmalsentfernung nicht bei, sondern schreibt, vielleicht, um sich nicht mit der in den bayrischen Bolkskreisen vorherrschenden Anschauung in Widerspruch zu setzen: „Wir sind gewiß keine enthusiastischen Verehrer des Dichters Heine, aber mißbilligen gleichwohl die Beseitigung seines Denkmals, welches zugleich die Erinnerung an die unglückliche Kaiserin Elisabeth festhielt, jene vornehme, hochherzige Frau, welche ein besseres Schicksal verdient hätte als durch Mörderhand zu fallen. Solche Denkmäler sollten ebenso heilig und unverletzlich sein w i e die Gräber. Bor der Majestät des Todes soll jeder — der Kaiser wie der Knecht, der Christ wie der Jude — ehrfurchtsvoll Halt machen." Daß der Konflikt mit den Konservativen auf einen weiteren Rückgang der „Deutsch-Sozialen" hindeutet, ist unverkennbar; noch mehr aber hat der Verlauf des am 25. April in Leipzig stattgehabten 12. Parteitages bex antisemitischen Hcfotmer den Stempel des Niederganges dieser mit den „Deutsch- Sozialen" in heftiger Konkurrenz stehenden Partei getragen. Tie schwach besuchte Versammlung hat sich zumeist mit persönlichen Streitigkeiten beschäftigt, eine ziemlich matte Resolution zum Wahlrecht gefaßt und schließlich unter dem Vorsitz des Abg. Zimmermann einen sogenannten „Reichsbund" begründet, durch den sie zu besseren finanziellen Verhältnissen zu kommen hofft.