Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1908)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1908-06-01
- Page
- 357 (sequence 11)
- Language
- German
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Uui]üjuu. 357 Besonders ausführlich ift dabei über die Frage verhandelt worden, ob man die Schulden der sächsischen Organisation übernehmen solle. Offenbar, um den Zwist mit den „Biedermännern^ beizulegen, wurde ans dem Parteitage der hessische Antisemitenführer und Herausgeber des „Reichsherold", Gustav Wallbach, in aller Form ans der Partei ausgeschlossen. Aehnlich erging es dem Abg. Bruhn, wenn man ihm auch nicht wie dem hessischen Kollegen direkt den Stuhl vor die Türe setzte. Mit Rücksicht daraus, daß die antisemitischen Abgg. Bruhn und Gäbet im Reichstage mit den Blockparteien für das Börsengesetz gestimmt haben, sah sich der Parteitag veraulaßt, seinen bisherigen zweiten Borsitzenden, Bruhn, nicht wieder in den Parteivorstand zu wühlen. Aus dieser ossenen Mißbilligung der Parteigenossen hat er infolge ihm eigener Tauerhastigkeit die sonst üblichen Konsequenzen bis jetzt nicht gezogen. Daß die Reformpartei dem früheren Führer des Deutschen Volksbundes H a n s v. M o s ch Unterschlupf gewahrte, war begreiflich; er hat schon am 1. Mai durch einen Vortrag in Kellers Philharmonie bewiesen, daß er in diesen Kreis paßt. Am Schlüsse des erwähnten Vortrages hat er nämlich die Annahme einer Resolution befürwortet, in der es heißt: „Die versammelten deutschen Männer und Frauen erachten es für ihr gutes und durch die „Verfassung^ gewährleistetes Recht, sich die M i t b ü r g e r j ü d i s ch e r R affe n a ch M ögli ch keit vom Leibe z u halten, namentlich auch in Sommerfrischen und Bädern. Sie erachten daher das Verhalten der Borkumer Badegäste für durchaus berechtigt und die drastische Art des Borkumliedes für eine durch die bekannte jüdische Aufdringlichkeit bedingte gesellschaftliche Notwehr. Die durch den Minister v. Moltke angedrohte behördliche Einmischung in die privaten Rechte der deutschen Badegäste würden gegebenenfalls die versammelten deutschen Männer und Frauen für einen indirekten Versuch, die Verfassung zu verletzen, erachten." Jede Bemerkung über diesen antisemitischen Kommentar zur Verfassung durch den Herrn Deckossizier a. D. könnte nur die Komik seiner Leistung abschwächen. Hans von Mosch dürfte trotzdem für die deutsche Reformpartei eine ebenso würdige Stütze werden, wie Herr W i l h e l m S ch a ck für die deutschsoziale Partei ist.