Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1908)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1908-06-01
- Page
- 354 (sequence 8)
- Language
- German
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354 Irn deutschen Reich. Pleß, die beiden ersten ihr Programm, ein freikonservatives und ein nationalliberales, während der dritte Kandidat, Landrat v. Heyking--Pleß bemerkte, daß er als alter Abgeordneter sein Programm als bekannt voraussetzen könne. Eines wolle er aber hervorheben; das sei sein allzeit an den Tag gelegtes Bestreben, alle Kreiseingesessenen in wirtschaftlicher wie in konfessioneller Richtung einander näher zu bringen und da sei er stets auch ein Freund der jüdischen Bevölkerung gewesen und für deren unbestrittene Rechte ein getreten. Auf die Erzielung des konfessionellen Friedens sei stets sein Augenmerk gerichtet gewesen. Diese Ausführungen fanden lebhafteste Anerkennung. Im allgemeinen darf aber nicht übersehen werden, daß die Agrarier bei ihrem Kampfe gegen die Liberalen die Abneigung gewisser gesellschaftlicher Schichten gegen die Juden weidlich ausgenützt haben und daß dieser rechte Flügel der Partei, der durch keine scharfe Grenzlinie von den Konservativen getrennt ist, den Antisemitismus fördert, trotzdem er das stärkste Interesse daran hätte, die bestehenden Zustände zu erhalten und eine wilde Agitation zu zügeln, die vor dem ländlichen Grundbesitz kaum Halt machen und sich nicht nur gegen das Börsenkapital erhitzen lassen wird. Ter Antisemitismus hetzt die kaufmännischen Angestellten gegen ihre Prinzipale, die Kapitäne, Offiziere und Mannschaften gegen die Rheder auf, kurz, er hetzt gegen alles, was in einer gewissen Verbindung mit dem Kapitalismus zu stehen scheint, und spielt bei der Entsachung der Begehrlichkeit der Massen ein gefährliches Spiel, das auch für den Großgrundbesitz bedrohlich ist. Wenn die Konservativen unserer Tage politisch so reif wären wie ihre Vorgänger im Ersten vereinigten preußischen Landtag vor 60 Jahren, dann Hütten sie den Antisemitismus von sich fern und die antisemitischen Fraktionen nie für bündnisfähig gehalten. Von dieser falchen Auffassung ist der vvn der „Kreuzzeitung" beeinflußte Teil der Konservativen trotz aller trüben Erfahrungen noch immer nicht ganz kuriert. Die Mitglieder der „wirtschaftlichen Vereinigung" sind erst kürzlich von der „Kreuzzeitung" zum Eintritt in die konservative Fraktion aufgesordert worden, die dadurch kaum einen nennenswerten Gewinn erzielen würde. Die Führer der