Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1908)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1908-06-01
- Page
- 353 (sequence 7)
- Language
- German
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allen Umständen aber werden sie die Wahl eines Antisemiten zu verhindern suchen, der sich offen als solcher bekannte, denn das Vorhandensein einer antisemitischen Fraktion im preußischen Landtage und im deutschen Reichstage, einer Partei, die die Entrechtung der jüdischen Mitbürger auf ihre Fahne schreibt und die Kühnheit besitzt, dies mit der angeblichen Minderwertigkeit der Juden zu begründen, ist ein solcher Schimpf für uns, daß diesem gegenüber alle Bedenken schwinden müssen. Bei der Reichs tags ers crtzwahl €^axniiau=Kolmax=ßllehnc wird diese Frage akut werden. Dort haben die Agrarier vom „Bunde der Landwirte" auf die Kandidatur des Gutsbesitzers Schiefelbein-Hammer zugunsten des freikonservativen Landtagsabgeordneten, Landgerichtspräsident Bi e r e ck - O st r o w o verzichtet. Man hofft dort nämlich, auf diese Weise, wie der Vorsitzende des Deutschen Wahlvereins, Landschaftsrat Günther-Hammer, in einer Versammlung der Vertrauensmänner des Vereins ausführte, die Stimmen aller deutschgesinnten, auch der politisch linksstehenden Wähler auf Viereck zu vereinigen und dadurch die antisemitische Kandidatur des früheren Fleischermeisters H offmann in Schneidemühl mit Erfolg abzuschlagen. Hoffmann ist der Bruder des Konitzer Fleischermeisters, der in der traurigen Winteraffäre vielfach genannt wurde. Ob die Freisinnigen, dem Beispiel der Nationalliberalen folgend, unter solchen Umständen auf die Aufstellung einer eigenen Kandidatur verzichten werden, steht noch dahin. Daß die Konservativen, wo ein polnischer Gegenkandidat oder ein radikaler Antisemit Aussicht auf Erfolg hat, nicht zögern, den jüdischen Wühlern gegenüber beruhigende Zusicherungen zu erteilen, die für die künftige Gestaltung der Dinge von bleibendem Werte sind, haben die letzten Wahlen gezeigt. In einer am 3. Mai in Anwesenheit des Herzogs von Ratibor in Rybnik abgehaltenen Versammlung des deutschvaterländischen und des bürgerlichen Wahlvereins entwickelten von den drei Kandidaten, Kreisschulinspektor Or. Rzesnitzek, Amtsrichter Steinbrecher in Rybnik und Landrat v. Heyking-