Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1908)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1908-06-01
- Page
- 351 (sequence 5)
- Language
- German
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Umschau. 351 stellungen klar zum Ausdruck gebracht hat. Daß auf dem Umwege der Verwaltung auch dieses Gesetz so gehandhabt wird, daß es den preußischen Juden nur mangelhaft zustatten kommt, schmälert das Verdienst des Zentrumsführers Windthorst nicht, der sicher das Beste gewollt hat und auf dessen Traditionen es zurückzuführen sein dürste, daß bis zu einem gewissen Grade das Zentrum auch jetzt noch, teils im eigenen Parteiinteresse, Leits aus Gerechtigkeitsgefühl für die „Parität" eintritt und Angriffe gegen Einrichtungen der jüdischen Religion abzuwehren sucht. In bezug auf die vielumstrittene Frage des „christlichen Staates" und insbesondere auf alle das Schulwesen betreffenden Fragen ist aber das Entgegenkommen ein begrenztes, und in einem Teile der Zentrumspresse zeigt sich immer wieder aufs neue eine Hinneigung zum Antisemitismus, die mit den Ueberlieferungen von Windthorst und Lieber im schroffsten Widerspruch steht. Diese bekundet sich insbesondere dadurch, daß einzelne katholische Blätter durch Verbreitung von Ritualmordmärchen und Erzählungen von angeblichen Hostienschändungen aufreizend wirken, dagegen an die Juden die unerfüllbare Forderung stellen, von einzelnen Juden herausgegebene Organe der Tagespresse zu verhindern, Artikel zu veröffentlichen, in denen protestantische Redakteure an katholischen Einrichtungen Kritik üben. Diese Verschiedenheit innerhalb des Zentrums macht es jüdischen Wählern zur besonderen Pflicht, zu individualisieren, zu prüfen, welcher Zentrumskandidat in den Fußstapfen Windthorsts und Liebers wandelt, oder in der Juden frageeinegegent eilige Stellung ein nimmt. Die „Märk. Volkszeitung" und noch mehrere andere Zentrumsblätter knüpfen an den Satz unseres Wahlaufrufs, „soweit dies möglich, die Wahl offener oder verkappter Antisemiten zu verhindern", die Bemerkung: „Wir hoffen, daß auf Grund dieser Aufforderung viele Israeliten für die Zentrumskandidaten eintreten werden." Diese Hoffnung kann aber doch nur dort in Erfüllung gehen, wo die Zentrumskandidaten durch ihr Programm Gewähr dafür bieten, daß sie selbst keine „verkappten Antisemiten" sind, sondern im Sinne Windthorsts mit dahin wirken wollen, daß das von ihm mitgeschaffene Gesetz von 3. Juli 1869 endlich eine Wahrheit werde. Die Stellung der ^uden .iedem .^entrnmskandidaten aeaenüber wird naturgemäß