Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1908)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1908-06-01
- Page
- 349 (sequence 3)
- Language
- German
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Umfoiau politischen Parteitage gemacht. Politische Machthaber haben sie benutzt, ihncit unbequem gewordene Parteien, bei denen, sich einzelne runden in hervorragender Stellung befanden, an die Wand zu drücken: politische Streber benutzten sie als Köder oder Popanz, weil sie auf die Macht der Vorurteile spekulierten, die von vielen Erziehern schon den Kindern eingeimpst werden. Den ^Berufspolitikern gilt eben vielfach der Satz, dast der Zweck das Mittel heilige: aber früher oder später müssen sie doch immer die Erfahrung machen, dast unmoralische Mittel sehr gefährlich sind. Ter Antisemitismus kann nicht die Grundlage einer wirklich Politischen Partei bilden, sondern ist nur ein unmoralischer Auswuchs; die sogenannten antisemitischen Fraktionen sind auch politisch bedeutungslos, aber trotzdem deshalb so schädlich, weil sie wie der Kuckuck ihre Eier in fremde Nester legen, wo sie dann in der Folge der Verblendung der Führer wirklicher politischer Parteien zum Nachteil für die gesamte Volkswohlfahrt ausgebrütet werden. Daraus ergibt sich, dast auch die Bekämpfung des Antisemitismus keine Fraktionssache ist. Selbstverständlich werden die liberalen paxteun zunächst berufen sein, den Schädling beseitigen zu helfen: denn für sie ist die Gleichberechtigung aller Staatsbiirger ein Danptgrnndsatz, in dem ihre Sache wurzelt, mit der diese steht und fällt, weil eine Freiheit alle frei macht, weil mit irgendeiner Einschränkung der Gleichberechtigung der Duden alle im Völkerfrühling gewonnenen biirgerlichen Freibeiten in Frage gestellt werden. Dieselbe Strömung, die darauf hiuausläuft, der jüdischen Bevölkerungsminderheit gegenüber die mittelalterlichen Vorurteile aufzufrischen, wiirde unfehlbar alle Dämme brechen, die im Laufe der Zeit zum Schutze der Rechte a ll e r S t a a t s b ür g e r mühevoll errichtet worden sind. Was der Liberalismus für die Verwirklichung der Gleichberechtigung der Juden getan hat und tut, ist ge wist im hohen Grade dankenswert, aber doch nicht dazu angetan, Judentum und Liberalismus völlig zu identifizieren: es gilt nicht unserer Abstammung oder unserem Religionsbekenntnis, sondern dem Schutze der unverrückbaren Grundpfeiler des Frei-