Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1908)
- Article
- Der Humanist Reuchlin als Verteidiger des jüdischen Schrifttums
- Date
- 1908-06-01
- Page
- 339 (sequence 8)
- Language
- German
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Der Humanist Reuchlin als Verteidiger des jüdischen Schrifttums. 339 zeichnet, über die er sich ausführlicher aussprechen oder die er nach dem Beispiel des weisen Augustinus widerrufen möge. Unter demselben Datum hatte ihm auch Kollin geschrieben, angeblich aus freundschaftlichem Interesse, in Wahrheit aber, um ihn einzuschüchtern. Nur seiner Freundschaft habe es Reuchlin zu danken, daß man vorerst von strengerem Vorgehen gegem ihn abgesehen und ihm die anstößigen Stellen seiner Schrift bezeichnet habe. Es sei kein Wunder, wenn ein Jurist theologische Subtilitäten nicht verstehe. Schon erwarteten Geistliche und Weltliche den Urteilsspruch der Fakultät und schon seien alle bereit, wider ihn aufzustehn. Wenn er sich aber unterwerfe und von der Fakultät sreigesprochen werde, so werde ihn niemand zu verdammen wagen. Noch hielt Reuchlin in dem Antwortschreiben von: 27. Januar an die Fakultät an sich. Er lobt ihre Frömmigkeit, daß sie ihn erst hören wolle, bevor sie ihn verurteile. Daß er die seinem Gutachten beigegebenen Deklarationen nur in lateinischer und nicht auch in deutscher Sprache abgefaßt habe, daran sei die Kürze der Zeit schuld gewesen, uuö er sei ctucfj jetzt noch bereit, sie in deutscher Sprache zu veröffentlichen. Wenn aber die Fakultät das für nicht genügend halte, so möge sie die Erklärung, die sie von ihm verlange, ihm schriftlich durch einen Boten auf seine Kosten zugehen lassen und sich inzwischen weiterer Schritte enthalten. Eine schärfere Tonart schlägt er gegen Kollin an. Er denke nicht daran, etwas gegen die Kirche zu unternehmen, denn außerhalb der Kirche gäbe es kein Heil. Er verstehe aber nicht, wie die Fakultät behaupten könne, daß er das vour Kaiser löblich begonnene Werk der Vernichtung der Judeubücher vereitelt habe. Bon einem solchen Plane habe er nichts gewußt, es sei lediglich von einer Untersuchung die Rede gewesen; er sei auch kein Judengönner, er hasse vielmehr die Juden wie der heil. Hieronymus. Daß er sein Gutachten in deutscher Sprache abgegeben habe, käme daher, daß auch das an ihn ergangene Mandat deutsch abgefaßt gewesen sei. Wie er das Mandat verschlossen empfangen, so habe er auch sein Gutachten verschlossen abgegeben, die Veröffentlichung Hütten die Verräter vorgenommen, die darob nach bürgerlichem Recht an den Galgen gehörten, an den Gott und die Menschen jene Gesellen bringen möchten. Zum Schlüsse