Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1908)
- Article
- Der Humanist Reuchlin als Verteidiger des jüdischen Schrifttums
- Date
- 1908-06-01
- Page
- 337 (sequence 6)
- Language
- German
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Der Humanist Reuchlin als Verteidiger des jüdischen Schrifttums. 3:->7 wir ihm nicht allzusehr verdenken, unb es hat ihm auch bei seinen Gegnern nichts genützt. Die ganze Schale seines — wir dürfen Wohl-sagen — berechtigten Zornes schlittete er über Pfefferkorn aus, den er stets den „getauften Juden" nennt. Wenn er dabei zu derben Ausdrücken griff, so müssen wir dies seiner Gereiztheit und den Gepflogenheiten seiner Zeit zugute halten. Am meisten diirfte es uns interessieren, was er zu dem Vorwürfe Pfefferkorns sagt, er sei von den Inden bestochen. Er schreibt: „Die 22. Unwahrheit hat der getaufft jnd nff mich erdacht an dem 9. blat seines schmachbüchlins, als ob ich von den jnden etwaz solt genommen haben, für sie und wider in geschreiben, mit dergleichen Worten, die jnden werffen mich hoch nff, deshalb nem in nit wunder, denn wer inen dient, dem dienen sie wieder, besnnder so es etwas wider die eristenlich kirch zum Nachteil kommen oder reichen mag, wie er das auch zu andern leuten mündlich geredt soll haben. Fiir war nun Hab ich inen nie keinen dienst gethan besnnder wider die eristenlich kirch, und daruff sag ich bei dem höchsten glauben, daß ich all mein leptagen von meinen kindlichen Zeiten bis uff diese stund von den jnden noch von irentwegen weder Heller noch Pfennig, weder gold noch silber, weder erütz noch müntz nie empfangen, genommen noch verhosft Hab. Mir hat auch alle meine leptagen kein jud ny dehein gab verheissen noch versprochen umb was suchen es wölke, und in sunderheit auch betreffend disen ratschlag, hat mir kein jud weder myet, noch dienst, noch belonung erüotten, noch dero mich verwemt noch geben in dehein wyß noch Wege. Und welcher von mir zu Verletzung meiner eeren anderst geschrieben oder geredt hat, oder anderst noch redt, der selbig lügt als ein leichtvertiger eerloßer bößewicht, und ob er gleich hette so ein frummen gestalt als wäre er ein eartheißer". Diese s letzte Bemerkung richtet ihre Spitze zugleich gegen den Kart-;; Häuserprior Gregor Rüsch, der gesagt haben soll, Reuchlin hätte sein Gutachten mit roter Tinte geschrieben, worin Reuchlin den Vorwurf der Bestechlichkeit erblickte, k Als der Augenspiegel zur Herbstmesse in Frankfurt oerz kauft wurde, ließ sich Pfefferkorn von dem Pfarrer Peter 1 Meyer die Erlaubnis geben, da er als verheirateter Laie I nicht i n der Kirche predigen durfte, vor der Kirche zum