Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1908)
- Article
- Der Humanist Reuchlin als Verteidiger des jüdischen Schrifttums
- Date
- 1908-06-01
- Page
- 334 (sequence 3)
- Language
- German
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334 Im deutschen Reich- Archen und gat uns ir glaub nichtz an, daz schreibt uns der heilig apostel Paulus (Cor. V. 12 13), als er sprichr: Was gat es mich an, die leut so userthalb sind zu richten, ist üch nicht genug, das ir die so unter uns sind mögen richten, die leut so nit von uns sunder ußerthalb sind, wird got richten". Nachdem er ausführlich seine Meinung über den Talmud ausgesprochen hat, kommt er zu den kabbalistischen Schriften. Diese zu verteidigen wird ihm leicht; er beruft sich auf die These des Grafen Pieus von Mirandola; „Es ist keine kun st, die uns m er g e w iß m a ch t von der g o t h e i t C r i st i denn Magie und Ca b a 1 a" und ferner daraus, daß der Papst Sixtus IV. verschiedene kabbalistische Bücher ins Lateinische Habe übertragen lassen. Weiter seien die Kommentare zu erwähnen, deren/ Studium 'er für das Verständnis der h. Schrift dringend empfiehlt. Auch Nieolaus de Lyra hätte Raschi bemüht, und wollte man aus seinen Kommentaren alle Bemerkungen Raschis entfernen, so inürde wenig übrig bleiben, was geistiges Eigentum de Lyras sei. An nächster Stelle erwähnt er die Predigt- und Am dachtbücher, die man den Juden nicht entziehen dürfe, da sie dieselben für ihren Kultus gebrauchten, dessen Ausübung ibnen durch kaiserliche und päpstliche Verordnungen gewährleistet sei. Schließlich seien zu nennen die Bücher von allerlei Künsten, sowie die Fabel- und Märchenbücher, diese seien nur insoweit zu vernichten, als sie verbotene Künste wie Zauberei und Schatzgräberei behandelten, oder die ausgesprochenen Schmähschriften, von denen er das Sefer nizzachon und die Schrift Toldoth Jeschu nennt, die aber von den Juden selbst abgetan seien. Die anderen Bücher aber enthielten keine Schmähung, und wenn die Juden die Gottheit Jesu nicht anerkennten, so sei das ihr Glaube, aber keine Schmähung. Er meint, daß ein gelehrter Jude viel eher bekehrt werden könne, als ein unwissender, er fügt jedoch hinzu: „uß rechtem grund bekert" und hierbei bekommen die getauften Juden einen derben Seitenhieb. „Ich sag uß rechtem grundt, deshalb ich nit red von denen die aus neid, haß, forcht der straff, armut, rach, vergeitigkeit, liebe der Welt, schlechter einfeltigkeit, und anderen dergleichen Ursachen zu uns kommen,