Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1908)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1908-05-01
- Page
- 317 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2316602-2316766-2316772--17800-2340081- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Vereinsnachrichten. 317 durch die Tendenz, mit der Treue zum Baterlande den festen Willen zum Judentum zu verbinden, ein mächtiger Sammelort für die deutschen Juden geworden sei, daß er das Gefühl der Zusammengehörigkeit aufgefrischt und das jüdische Selbstbewußtsein gekrüftigt habe. So sei denn auch jetzt und künftig der Wille zum Judentum die Losung und in jedem deutschen Juden das Wort lebendig: „Ich will!" — Langanhaltender, rauschender Beifall folgte den begeisterten und begeisternden Ausführungen des Redners, dem dann der Vorsitzende im Namen des Vorstandes und der Versammlung Worte herzlichen Dankes widmete. — Nach kurzer Pause bot Herr Iustizrat Dr. Hör w i tz eine Reihe, von geschäftlichen Mitteilungen, die das lebhafte Interesse der Anwesenden erregten. Der Redner gedachte des vor wenigen Wochen dahingeschiedenen, um viele gemeinnützige Angelegenheiten und insbesondere um unsere Ortsgruppe Königsberg verdienten Stadtrats S. Magnus, und der zehnjährigen treuen Mitarbeit des aus Gesundheitsrücksichten aus dem Central-Borstand ausgeschiedenen Herrn Geh. Sanitätsrats wr. Blumenthal, die der Vorstand durch die Kooptation des Sohnes, des Herrn Professor wr. Ferdinand Blumenthal, am besten anzuerkennen geglaubt habe. Ter Redner erwähnte die rege Bersammlungstätigkeit, die der Verein in den letzten Wochen entfaltet habe, streifte dann die politischen Vorgänge der letzten Zeit, u. a. die Reichstags- Wahl im Kreise Emden-Norden-Leer, die den paritätischen Charakter der preußischen Lehrerinnen-Seminare betreffende Interpellation Rosenow im preußischen Abgeordnetenhause, die Fusionsbestrebungen des Deutschnationalen Handlungsgehilfen-Verbandes, verschiedene sonderbare Leistungen der antisemitischen Presse und der Rituatmordmärchen-Erfinder und schloß mit der Mahnung, in und mit dem Central-Verein den Willen zum Judentum tatkräftig zu fördern. Diesen Mitteilungen wurde lebhafter Beifall gezollt. Nach Eröffnung der freien Aussprache ergriff Herr Stadtverordneter R e ch t s a u w a l t Gott s chalk das Wort, um der Art, wie der Central-Verein sich den politischen Angelegenheiten gegenüber verhält, Anerkennung zu zollen und bezüglich des Verhaltens der deutschen Parlamentarier jüdischen Glaubens daraus zu verweisen, daß Gabriel Rießer, der seine kerndeutsche