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Im deutschen Reich · 1908-05-01 · Heft 5 (Mai 1908) · p. 316

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
14 (1908)
Issue
Heft 5 (Mai 1908)
Article
[Ohne Titel]
Date
1908-05-01
Page
316 (sequence 3)
Language
German
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316 Im deutschen Reich. und ganze Völker ebenso wie einzelne Menschen dadurch unterschieden worden seien, daß sie das Gepräge des Intellektualismus, des Mystizismus oder des Voluntarismus getragen hätten, daß also in ihnen entweder der Verstand, oder das Gefühl oder auch nur der Wille vorherrschend gewesen sei. So habe sich auch unter den Juden in den verschiedenen Zeitaltern durch die Hinneigung zur Theologie die Verstandeskultur, später durch die Kabbala und die Poesie die Gefühlswelt, in unseren Tagen aber, unter Abkehr von der Gefühlswelt, der Wille, sich im und durch das Judentum eine Stellung in der Kulturwelt zu behaupten, Geltung verschafft. Das aber sei ein Segen, denn der Jude mußte endlich aus der Resignation und Beschaulichkeit heraus, mußte den Kleinmut fahren lassen; die jüdische Gesamtheit mußte endlich einen festen Lebenswillen betätigen, wenn sie nicht zermalmt werden sollte. Die bloße Rassenzähigkeit hätte dies kaum verhindert, denn andere Rassen, denen wohl auch Zähigkeit innewohnte, sind im Laufe der Zeit spurlos verschwunden. Die religiöse Empfindung hätte auch kaum genügt, das Judentum durch Jahrtausende ausrechtzuerhalten, wenn nicht den Juden immer der feste Wille zum Festhalten an dem Glauben der Väter, wenn ihnen nicht neben der Zähigkeit auch die eigentümliche Fähigkeit zustatten gekommen wäre, sich den verschiedensten Verhältnissen anzupassen, ohne die eigene Ueberzeugung preiszugeben. Sich selber treu und treu dem Vaterlande, sind die deutschen Juden wurzelechte Patrioten geworden. Wie der Vogel sein Nest liebt, so liebt der deutsche Jude das Land, in dem seine Wiege stand, den Boden, der seinen Eltern die letzte Ruhestätte bot, das Land, dessen Sprache er spricht, dessen Sitten ihm eigen sind, dessen Geschicke seine Schicksale sind. Aber was seine feste Treue zum Vaterlande verbürgt, das ist gerade die Treue, mit der er an seiner religiösen Ueberzeugung festhält, der feste Wille zum Judentum. Wer den nicht hat, Charakter und Sittlichkeit preisgibt, um äußere Vorteile zu erlangen, kann auch keine deutsche Treue hegen. Mag der Staat Prämien auf die Lossagung vom Judentum setzen: uns wird er nie davon überzeugen, daß inan durch Treubruch ein besserer Bürger wird. Redner führte am Schlüsse seines Vortrages aus, daß der Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens

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