Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1908)
- Article
- Das Borkum-Lied im Herrenhause
- Date
- 1908-05-01
- Page
- 284 (sequence 8)
- Language
- German
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284 Im deutschen Reich. machen, zu einem öffentlichen Skandal. Ich habe den betreffenden Herrn, der mir sagte: Findest du Wohl die nötige Resonanz im Herrenhause?, darauf verwiesen, daß im vorigen Jahre eine andere Frage, die von den meisten Mitgliedern dieses Hauses in einem anderen Sinne beurteilt wurde, als von dem Herrn Interpellanten, der damals die Sache zur Sprache brachte, nämlich die Duellfrage, trotz der Verschiedenheit der Ansichten in einer so sachlichen und ruhigen Weise erörtert worden sei, daß ich nicht den geringsten Zweifel hätte, daß das Herrenhaus für die gegenwärtige Frage ebenfalls das richtige Forum sei. Ich glaube, daß gerade das Herrenhaus berufen und geeignet ist, dem Gefühle des Rechtes und dem Gefühle — ich kann es nicht anders ausdrücken — dessen, was sich öffentlich schickt und was der Unstand mit sich bringt, in hervorragender Weise Rechnung' zu tragen. An den Herrn Minister' möchte ich nun das Ersuchen richten, die Abhilfe, die bisher nicht geschaffen worden ist, möglichst bald zu schaffen; denn die Frage ist nun in der Öffentlichkeit ganz offen und klar und aktenmäßig dargestellt, und darum werden diese Zuständedoch nicht ferner bestehen können. Dem preußischen Staate und dem Rechtsgefühl im preußischen Staate würde damit wesentlich Abbruch getan werden; man würde ihm den Vorwurf machen, daß hier nicht mit gleichem Maße zwischen den verschiedenen Konfessionen und Volksarten gemessen wird. Ich lege also die Sache vertrauensvoll in die Hände des Herrn Ministers und bitte ihn dringend, hier einzuschreiten, aber so, daß wirklich ernstliche Abhilfe geschaffen wird." Hierauf erklärte der Minister des Innern v. M o l t k e: „Ich habe zu meinem Bedauern die Eingabe, von welcher der verehrt. Herr Oberbürgermeister Struckmann sprach, nicht bekommen; meine Akten liegen hier, ich kann es beweisen. Ich habe die Eingabe leider nicht erhalten. Das nur zur tatsächlichen Berichtigung. Im übrigen muß ich ihm zugeben, daß dieses Lied, welches er uns mitgeteilt hat, namentlich in dem letzten Verse, ganz unzweifelhaft eine grobe Beleidigung der anwesenden Einzelpersonen, gegen welche es gerichtet ist, dar stellt. Anders liegt die Sache aber, wenn das ganze Publikum das Lied offensichtig und ohne die Absicht der Beleidigung einzelner Per-