Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1908)
- Article
- Das Borkum-Lied im Herrenhause
- Date
- 1908-05-01
- Page
- 285 (sequence 9)
- Language
- German
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Das Borkum lied im Herren Hause. 285 jenen, die anwesend sind, singt, wie das meist geschehen sein soll,, wie ich höre. Im letzteren Falle ist nach den gemeinschaftlich von dem Herrn Justizminister und mir angestellten Erörterungen es nicht möglich, strafrechtlich gegen das bloße Absingen dieses Liedes vorzugehen. Ich nehme aber keinen Anstand, dieses ganze Verfahren als eine grobe Un ge Hörigkeit zu bezeichnen, zu der nicht einmal Mut erforderlich ist." (Bravo!) Oberbürgermeister Dr. Stru cl m a u n erwiderte: „Die Beschwerde ist abgegangen am 16. Mai 1907 an Se. Exzellenz den Staatsminister und Minister des Innern Herrn von Bethmann-Hollweg, und ich weiß aueb von ihm persönlich, daß sie in seine Hände gekommen ist. Sie muß also notwendig in den Akten sein, und da habe ich selbstverständlich annehmen müssen, daß sie zur Kenntnis des Nachfolgers des Herrn von Bethmann gelangt ist; sonst würde ich leicht eine Abschrift Seiner Exzellenz haben zugehen lassen können. Im übrigen darf ich vielleicht die Gelegenheit benutzen, meiner Freude Ausdruck zu geben über die Erklärung, die der Herr Minister soeben abgegeben hat, und ich glaube, daß es ihm auch nicht an Mitteln fehlen wird, der Sache ein Ende zu machett." Mau darf begierig darauf sein, zu erfahren, ob der preußische Minister des Innern es bei den im Herrenhause gesprochenen mißbilligenden Worten bewenden oder seinen Einfluß dahin geltend machen wird, die Fortsetzung des elenden Unfugs in Burkum wirksam zu verhindern. Daß es dazu keines strafrechtlichen Vorgehens bedarf, liegt auf der Hand. Daß die antisemitischen Gesinnungsgenossen des Borkumer Janhagels schon jetzt seine Erklärung verhöhnen und gegen diese an die ihm unterstellten Behörden appellieren, sollte ihm als Mahnung dienen, seine Autorität zum Schutze von Gesetz und Ordnung energisch zu wahren. In dem Organ eines sehr bekannten Antisemiten, des früheren Pastors Krösell, „Der Mittelstand", wird diese Autorität offen wie folgt verhöhnt: „Wir hoffen, daß die „unterstellten Behörden" besser unterrichtet sind als Herr S t r u ck m a n n und Herr von Moltke und nicht in das Recht der Borkumer eingreifeu werden, in ihre Häuser aufzunehmen, wer ihnen paßt, und