Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1908)
- Article
- Das Borkum-Lied im Herrenhause
- Date
- 1908-05-01
- Page
- 282 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2316602-2316766-2316772-2339987--17746-2340046- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
oeuycyen ^iercy. Katholiken so verfahren würde; da würde die Polizei sehr bald diesem Unfug, dieser Verhetzung ein Ende machen. Nun ist mir allerdings gesagt worden, hier handle es sich nicht um die Religion, sondern um die Rasse. (Rufe: Schluß!) — Bitte, ich habe das Wort und werde die Sache so gründlich vortragen, wie sie es verdient, und nach dem werde ich dann schließen. — Meine Herren, was die Rassenfrage betrifft, so stelle ich die Frage: würde es sich um Franzosen, um Polen handeln oder auch um Japaner oder Chinesen, glauben Sie, die Polizei dürfte das zugeben? Dann würde sofort der Herr Reichskanzler ans internationalen Rücksichten eingreifen und fordern, daß einem derartigen Unfug und einer solchen Gefährdung des Friedens vorgebeugt würde. Hier aber handelt es sich um deutsche Mitbürger. Meine Herren, sind die etwa weniger als die Franzosen oder die Japaner oder die Chinesen? Was aber letzteren recht ist, wird den deutschen Mitbürgern billig sein. Und die Frage wird keiner von Ihnen, meine Herren, verneinen, daß, wenn es sich um die Angehörigen von mir genannter Rassen gehandelt hätte, die Polizei alsdann unbedingt verpflichtet sein würde, einzuschreiten. Was aber jenen recht ist, ist den Juden, unseren Landsleuten, billig. Nun, meine Herren, wie ist denn die.Haltung des Publikums zu dieser Sache gewesen? Zu meiner Freude muß ich feststellen, daß keineswegs das ganze Badepublikum damit einverstanden ist. Es befindet sich eine ganze Reihe von Personen darunter, denen dieses Verhalten unangemessen erscheint; ein hervorragendes Beispiel habe ich ja vorhin schon angeführt. Noch kürzlich hat auch ein evangelischer Geistlicher mir darüber geschrieben, dem ich auch diese Karte verdanke; er hat dieses Verhalten im höchsten Grade gemißbilligt und viele andere ebenso. Aber die sind machtlos, und sowie es jemand wagt, dem Unfug zu steuern, fängt das Johlen und Heulen an; sie können einfach nichts dagegen machen, sie stehen alle unter dem Banne dieser vielleicht kleinen Gesellschaft, die die anderen beherrscht. Man kann sich also nicht etwa darauf berufen, daß jeneS .Vorgehen sich des allseitigen Beifalls erfreue. Meine Herren, ich hätte diese Sache hier nicht vorgebracht, wenn es nicht nötig gewesen wäre. Ich habe mich schon im vorigen Jahre mit dem Gedanken getragen, die Sache vor-