Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1908)
- Article
- Das Borkum-Lied im Herrenhause
- Date
- 1908-05-01
- Page
- 279 (sequence 3)
- Language
- German
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Das Borkmnlied im Herrenhause. 279 verlangt. Und dann erhebt sich ein lauter Gesang eines großen Teils der Badegesellschaft und des Publikums, das sich in Voraussicht dieser Dinge bereits am Strande versammelt hat, unterhalb dieser Strandhalle; es wird dieses Lied gesungen, und mit großem.Hurra und mit großem Getöse wird dann das aufgeführt, was auf dem Bilde dargestellt wird, indem man singt: sie (die Juden) müssen hinaus, sie müssen hinaus, hinaus! (Heiterkeit.) — Ja, meine verehrten Herren, zum Lachen ist die Sache, glaube ich, nicht; ich finde sie außerordentlich ernst, ich finde diese Angelegenheit sehr traurig. Meine Herren, es ist mir wohl gesagt worden: das ist ein harmloses Vergnügen. Nein, harmlos ist es nicht, dieses tolle Johlen, dieses Schimpflied, wie man es nicht anders bezeichnen kann. Es ist ein Lied, das direkt zu Gewalttätigkeiten herausfordert, zum Hinauswerfen; es soll damit eine ganze Klasse vollberechtigter deutscher Bürger gehindert werden, an den öffentlichen Plätzen Borkums, in den Wirtshäusern, die jedem zugänglich sind, zu erscheinen. Man will, da die früheren Mittel nicht drastisch genug gewirkt haben, es auf diese Weise unmöglich machen, daß irgendein anständiger, ehrliebender Jude überhaupt noch aus Borkum sich einfindet. Denn, meine Herren, wenn er sich einfinden würde, dann können Sie sich ja ganz genau sagen, was ihm bevorstehen würde; dann würde es nicht bei diesem Liede bleiben, sondern dann würde es noch zu anderen Dingen kommen, zu tätlichen Beleidigungen usw. Man will also dadurch, daß man den Juden dies in Aussicht stellt, sie von vornherein verhindern, dorthin zu gehen, wo jeder hingehen darf, dort zu weilen, wo jeder zu weilen das Recht hat. Meine Herren, es ist aber auch tatsächlich zu Tätlichkeiten dort gekommen. Mir ist ein Fall bekannt — einer unserer Kollegen hier hat ihn miterlebt und wird Ihnen vielleicht noch darüber berichten —, wie jemand, der kein Jude, sondern ein Christ war, sich aber über diese.Vorgänge so entrüstet hat, daß er — allerdings vielleicht unvorsichtigerweise — am folgenden Tage ein Gegengedicht verbreitete. Das hat dazu geführt, daß man ihm nachspürte; man hat ihn gefunden und durchgeprügelt, und er hat, um weiterem aus dem Wege zu gehen, die Insel verlassen müssen. Es war dies ein höherer königlicher Beamter, dem es so ergangen ist, und die Sache hat damals sehr