Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1908)
- Article
- Die Reichstagsverhandlungen über die Zurücksetzungen der jüdischen Einjährig-Freiwilligen
- Date
- 1908-05-01
- Page
- 274 (sequence 9)
- Language
- German
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274 Im beutf<f)en Reich. wird. (Sehr richtig! Links.) Meine Herren, die Frage der offenkundigen Zurücksetzung der Juden gegenüber ihren christlichen Kameraden ist wiederholt in der Budgetkommiffion wie hier im Hause behandelt worden, und daher hätte man wohl erwarten können, daß der Herr Vertreter des Kriegsministers eine bestimmte Erklärung abgeben würde. Klagen über diese unhaltbaren Zustände sind wiederholt hier vorgebracht worden; aber bisher ist auch nicht das geringste geschehen, um diese berechtigten Klagen aus der Welt zu schaffen. Meine Herren, in weiten Kreisen des Volkes hat die Ueberzeugung Platz gegriffen, daß der Grundsatz des gleichen Rechts für alle gerade durch die Militärverwaltung verletzt wird. (Sehr richtig! links.) Es wird hohe Zeit, hier Wandel zu schaffen/' (Bravo! links.) Nun aber ergriff ein in letzter Zeit vielgenanntes Mitglied der Zentrumspartei, der Abg. Gröber, das Wort, um es dem Vertreter der Regierung nahezulegen, eine amtliche Untersuchung der aktenmüßig vorliegenden Falle von Zurücksetzungen jüdischer Mannschaften zu veranlassen und das Ergebnis bem Reichstage zu unterbreiten. Die Militärverwaltung habe selbst das dringendste Interesse, nicht den Schein aufkommen zu lassen, als ob sie ihrerseits eine disparitätische Behandlung dulden wolle. Der Redner ging besonders auf einen Fall in Neiße näher ein, in dem dem Offiziersaspirauten angedeutet worden sei, daß er nur nach erfolgtem Glaubeuswechsel Reserveoffizier werden könne, worauf der Betreffende zum Christentum übergetreten und tatsächlich zum Reserveoffizier gewählt worden sei. Dazu bemerkte der Redner: „Im allgemeinen liegt doch die Gefahr offenbar vor, daß man, wenn derartige Belehrungen und Hinweisungen auf das Glaubensbekenntnis beim Militär Vorkommen, auf diese Weise sich Heuchler heranzieht, und das ist etwas, was man beim Militär am all er wenig st e n irgendwie fördern sollte. Solche Behauptungen müssen, zumal sie unter Bezeichnung von Ort, Personen und Namen und der näheren Umstände aufgestellt worden sind, untersucht werden; denn eine solche Behandlung würde direkt dem Reichsgesetz widersprechen, und ich bin der Ueberzeugung, daß jede Konfession dasselbe Interesse an einer Untersuchung